Konkurrenzkampf verändert die Kräfteverhältnisse zwischen G20-Staaten

Die westlichen Länder verlieren wirtschaftlich an Gewicht. Laut einem Bericht von „Spiegel Online“ habe sich der Anteil der G7-Staaten USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Kanada an der weltweiten Wirtschaftskraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 13 Prozent reduziert. Er liege jetzt nur noch bei 31 Prozent. Demgegenüber sei der Anteil der „BRICS“-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) im selben Zeitraum von 18,4 auf 31,2 Prozent gestiegen.

Die Daten beziehen sich auf den Zeitraum seit Gründung der G20 im Jahr 1999 und messen die Wirtschaftskraft in sogenannten „Kaufkraftparitäten“ (Link). Während die gesamte G20-Runde ihre wirtschaftliche Dominanz über die Weltwirtschaft mit einem Anteil von 73 Prozent erhalten habe, steche bei den Einzelstaaten besonders die Entwicklung Chinas hervor. Das Land habe anteilsmäßig von 7,1 auf 17,6 Prozent zugelegt. Deutschland hingegen sei von 5 auf 3,33 Prozent abgerutscht.

Der relative wirtschaftliche Bedeutungsverlust der G7-Staaten sei durch die weltweite Wirtschaftskrise von 2007/2008 beschleunigt worden. Er mache sich laut dem Bericht auch in der sinkenden politischen Durchsetzungskraft der Westmächte bei den G20-Gipfeln bemerkbar. Das „Lager der Industrienationen“ trete zudem heute „gespalten“ auf, was sich am Auftreten des US-Präsidenten Trump beim letzten G7-Gipfel gezeigt habe.

Die Verschiebung des Kräfteverhältnisses unter den Großmächten wirkt sich allem Anschein nach auch in Form einer Verschärfung der Auseinandersetzungen auf allen wirtschaftlichen und politischen Konfliktfeldern aus. Dies schließt Machtkämpfe um Firmenübernahmen wie kürzlich zwischen China und Deutschland ebenso ein wie die aktuellen Krisen rund um Nordkorea und Katar, sowie die Kriege in der Ukraine und in Syrien. Die im Kontrast zur schwindenden Wirtschaftskraft anhaltende militärische Dominanz der G7-Staaten dürfte beim Verlauf dieser Auseinandersetzungen eine interessante Rolle spielen. Welche Ergebnisse das G20-Zusammentreffen in den kommenden Tagen produziert, bleibt vor diesem Hintergrund eine spannende Frage.