Dieses Jahr kam der „Earth Overshoot Day“ – also der Tag, an dem mehr natürliche Ressourcen verbraucht werden, als die Erde selbstständig nachproduzieren kann – ganze sechs Tage früher als im Vorjahr. Es war der 2. August 2017. Mag diese Zahl zunächst nicht allzu hoch erscheinen, zeichnet sich doch eine Tendenz ab, die erschreckend ist.

Der „WWF“ (World Wide Fund For Nature) gibt an, dass wir pro Person im Schnitt mehr als das Doppelte verbrauchen, als die Erde uns zur Verfügung stellt. Das bedeutet, dass wir Ressourcen der Erde verwenden, die sich über Jahrtausende angesammelt haben – noch mögen sie unendlich erscheinen, doch bald sind einige dieser natürlichen Ressourcen komplett aufgebraucht.

Unterschiedlicher Ressourcenverbrauch in verschiedenen Ländern

Dabei darf nicht vergessen werden, dass große europäische Industrie-Nationen weitaus mehr Ressourcen verbrauchen als beispielsweise Länder des globalen Südens, die eine größere Agrar-Wirtschaft haben. Der Tag, an dem Deutschland seine Ressourcen pro EinwohnerIn bereits aufgebraucht hatte, wird so auf den 24. April datiert, wohingegen Länder wie Brasilien, die Mongolei oder die Demokratische Republik Kongo ein Plus in ihrem ökologischen Fußabdruck erzielen.

Für diese Differenz im Verbrauch sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Zum einen werden oft Rohstoffe, ob verarbeitet oder unverarbeitet, nicht für die eigene Bevölkerung in den Ländern verwendet, sondern in industriell stärkere Länder geschifft. Zum anderen ist die Bevölkerung in diesen Ländern – durch den vom Export geprägten Markt und den damit verbundenen schwachen Binnenmärkten – zu arm, um dem europäisch-westlichen Standard entsprechend zu leben.

Wechsel der Lebensverhältnisse sinnvoll?

Auch wenn natürlich jede Person auf dieser Welt die Möglichkeit hat, seine Lebensverhältnisse ökologischer zu gestalten, ist die Tendenz, den Umweltschutz auf einzelne Personen abzuwälzen, nicht sinnvoll. Der weitaus größere Teil der Ressourcen wird nicht von Privatpersonen direkt verwendet, sondern von der Industrie und für Transportmittel.

Natürlich ist es nicht ratsam, im Sommer Orangen einzukaufen, die von weit entfernten Teilen der Welt eingeflogen werden, jeden Tag zu baden, oder im Frühling die Heizung aufzudrehen, nur damit man mit T-Shirt statt mit Pullover im Wohnzimmer sitzen kann. Nichtsdestotrotz muss eine fundamentale Kritik an der Industrie und an den damit verbundenen Arbeitsbedingungen geschaffen werden. Denn es werden bewusst mehr Waren produziert, als tatsächlich benötigt werden, nur um konkurrenzfähig zu bleiben. Diese Überproduktion schadet sowohl der Umwelt als auch den ArbeitnehmerInnen, die der niedrigen Produktionskosten willen zu immer mehr Arbeit in weniger Zeit gezwungen werden.

Eine dauerhafte Besserung für die Umwelt kann folglich nur durch geänderte Arbeits- und Produktionsbedingungen erfolgen.