Neuer Such-Algorithmus führt zu massivem Einbruch bei Seitenaufrufen

Wie das linke Nachrichtenportal „WSWS“ (World Socialist Web Siteberichtet, ist die LeserInnen-Zahl bei verschiedenen US-amerikanischen linken Websites massiv eingebrochen. Dies hängt damit zusammen, dass die Nachrichtenseiten bedeutend seltener auf den ersten Suchseiten der Google-Suche auftauchen. Mehr als 90 Prozent der UserInnen der Google-Suchmaschine klicken nur Ergebnisse auf der ersten Seite an, über 99 Prozent nur die Links auf den ersten zehn Seiten. Der Google-Such-Traffic der Websites hat somit um insgesamt 45 Prozent in den letzten drei Monaten abgenommen.

Betroffen sind unter anderem: wsws.org: 67 Prozent, alternet.org: 63 Prozent, globalresearch.ca: 62 Prozent, consortiumnews.com: 47 Prozent, socialistworker.org: 47 Prozent, mediamatters.org: 42 Prozent, commondreams.org: 37 Prozent, internationalviewpoint.org: 36 Prozent, democracynow.org: 36 Prozent, wikileaks.org: 30 Prozent, truth-out.org: 25 Prozent, counterpunch.org: 21 Prozent, theintercept.com: 19 Prozent

Auch der Google-Traffic der deutschen WSWS-Seite ist von dem massiven Einbruch betroffen.

,Dies hängt mit einer Veränderung des Google-Such-Algorithmus zusammen. Am 25. April hatte der Google-Chef, Ingenieur Ben Dome, den Hintergrund der Veränderung in einem Blog-Eintrag erklärt.

So habe sich „herausgestellt, dass bei wenigen Suchanfragen (0,25 Prozent unseres täglichen Traffics) anstößige oder eindeutig irreführende Inhalte als Suchergebnis ausgegeben worden sind – eben Inhalte, nach denen nicht gesucht wurde. Wir haben unsere Beurteilungsmethoden mit dem Ziel, die Verbreitung solcher Inhalte zu unterbinden, verbessert und unsere Algorithmen aktualisiert, damit zuverlässigere Inhalte angezeigt werden.“ Damit soll gegen das Phänomen der sogenannten „Fake-News“ vorgegangen werden.

Nun sind offenkundig verschiedene linke und Informations-Websites wie „Wikileaks“ ins Visier von Google geraten.

Dabei wird mit mehreren Techniken vorgegangen:

So werden die Nachrichtenseiten einerseits von einigen der ca 10.000 Google-Bewertern direkt negativ bewertet, sodass ihre Artikel entweder zurückgestuft oder gänzlich übergangen werden. Zudem lehrt die neue Technologie die Computer, die Einstellung der Bewerter zu übernehmen. laut John Mueller, ein Analyst für Webmastertrends bei Google, könne das Urteil der Bewerter „theoretisch auch so etwas wie den allgemeinen Ruf einer Website beeinflussen“. Somit agieren die Google-Bewerter nicht mehr als reiner Dienstleister für Suchergebnisse, sondern direkt als Zensoren.

Darüber hinaus hat Google die Verbindung von bestimmten Suchbegriffen mit den genannten Websites blockiert. Am stärksten werden laut Analyse der WSWS-Website Begriffe manipuliert, die direkt etwas mit „Sozialismus“ zu tun haben. Des Weiteren erhalte man „mit den Suchbegriffen „social inequality in the world“ (weltweite soziale Ungleichheit), „poverty and social inequality“ (Armut und soziale Ungleichheit) und „global inequality articles” (Artikel zur globalen Ungleichheit), bei denen bisher auf den ersten Seiten WSWS-Artikel erschienen, nicht einmal unter den ersten 100 noch Artikel.“ Auch Verbindungen zu gewerkschaftlichen Organisationen wie „Unitied Auto Workers“ (Nordamerika) oder schlicht das Wort „Streik“ würden unterbunden.

In die Veränderungen sind auch deutsche Regierungskreise eingeweiht. Am 5. April nahm Ben Gomes, Chefingenieur für die Suchmaschinen bei Google, an einem Treffen der Rundfunkkommission der Länder in Berlin teil, um Googles neuen Such- oder besser „Zensur“-Algorithmus mit hochrangigen deutschen Regierungsvertretern zu diskutieren.  Das gleiche Ziel verfolgt die Bundesregierung mit dem sogenannten Netzwerkdurchsetzungsgesetz, das Ende Juni im Bundestag verabschiedet wurde.