Hunderte junge Frauen wurden über viele Jahre in Newcastle (Nordengland) von einer Gruppe von Männern unter Drogen gesetzt und vergewaltigt. Am 09. August endete der vorerst letzte Gerichtsprozesse dazu. 18 Täter, davon 17 Männer, wurden wegen Vergewaltigung und Menschenhandel verurteilt.

Zwischen 2011 und 2014 wurden mindestens 278 junge Frauen Opfer dieser Bande. Die Frauen waren zwischen 13 und 25 Jahren alt. Viele von ihnen kamen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Mindestens eine der Frauen lebte in einem Kinderheim.

Die Männer knüpften über Freunde und soziale Medien Kontakt zu den Frauen. Zum Teil wurde das „boyfriend model“ angewendet. Das heißt, die Männer spielten den jungen Frauen die große Liebe vor und machten sie dadurch abhängig von sich. Die Frauen wurden zu jeder Tageszeit von den Männern kontaktiert und zum „Chillen“ oder zu Partys eingeladen, die als „Sessions“ bezeichnet wurden. Dort bekamen sie verschiedene Drogen wie Alkohol, Cannabis und Kokain. Sie wurden den Frauen gegen Sex angeboten oder dienten dazu dazu, sie „gefügig“ zu machen. Die Frauen erlebten sexualisierte Gewalt und wurden auch an andere Männern dafür verkauft.

Eine 18-jährige berichtete, dass sie nach der Verabreichung von Mephedron einschlief. Sie wachte auf einem Bett auf, ihre Hose war heruntergezogen, einer der Täter neben ihr. Die Tür war mit einem Schrank versperrt.

Die Täter waren zwischen 27 und 44 Jahre alt. Manche von ihnen pflegten seit ihrer Kindheit eine Freundschaft. Einige von ihnen waren bereits in andere Vergewaltigungsfälle verwickelt, teilweise sogar dafür verurteilt. Vor Gericht behaupteten sie, die Frauen würden lügen und versuchten sich selbst als Opfer darzustellen. Deutlich wurde aber vor allem, dass sie keinerlei Respekt für Frauen besitzen. So suchten sie sie aus, weil sie „leichte Beute“ waren.

Die Ermittlungen der Polizei Northumbria, die unter dem Namen „Operation Sanctuary“ liefen, stellten eine der größten Ermittlungen zu „sexueller Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen“ in England dar. In ihrem Verlauf wurden seit 2014 461 Menschen verhaftet und 93 Täter verurteilt. 20 der betroffenen Frauen waren bereit vor Gericht auszusagen. Die Ermittlungen sind noch immer nicht abgeschlossen.

Auch wenn sich die Polizei selbst als Helden darstellen, die die „bösen Männer“ hinter Gitter gebracht haben, gibt es auch viel Kritik an den Ermittlungen.

Beispielsweise erzählte eine junge Frau (damals 19) vor Gericht, dass die Polizei auftauchte, als sie und zwei andere Frauen mit einem der Täter und einem weiteren Mann in einem Auto waren. Die Frauen hatten Bier getrunken und Cannabis geraucht, als die Polizisten auftauchten. Alle im Auto wurden durchsucht, aber die Polizisten erlaubten dem Täter weiter zu fahren.

Außerdem schleuste die Polizei einen verurteilten Vergewaltiger für 21 Monate in das Netzwerk ein und bezahlte ihm dafür 10.000 Pfund. Sie argumentierten, dass die Ermittlungen ohne die Anwendung „unkonventioneller Methoden“ nicht erfolgreich gewesen wären. Des weiteren behaupten sie, dass der Mann nur den Auftrag gehabt hätte, Informationen zu beschaffen. Ob er sich aktiv an den Vergewaltigungen beteiligte bleibt unklar.

Dieser Fall war nicht der erste Fall von organisierter Vergewaltigung und Menschenhandel in England. Bereits 2014 wurde bekannt, dass in Rotherham zwischen 1997 und 2013 1300 Kinder und Jugendliche vergewaltigt wurden. In Rochdale wurden 2012 neun Männer verurteilt, weil sie über Jahre hinweg fünf junge Frauen, die jüngste war 13, vergewaltigt hatten.