Die zentrale Mittelmeerroute von Libyen nach Italien ist nicht nur eine der meist genutzten Seerouten für Flüchtende, sondern auch eine der gefährlichsten. Nicht-Regierungs-Organisationen wie „Ärzte ohne Grenzen“ retten dort täglich Leben. Die „Identitäre Bewegung“ will das verhindern.

Die junge rechte Organisation „Identitäre Bewegung“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur die Arbeit der SeenotretterInnen zu stören, sondern Flüchtlinge selbst wieder ins Bürgerkriegsland zurück zu transportieren. Daran hinderten sie tunesische Fischer und Gewerkschafter gleich an mehreren Häfen.

In Zarzis und Sfax haben Fischer verhindert, dass die „C-Star“ der Flüchtlingsgegner anlegen kann. Der „UGTT“ (Union Générale Tunisienne du Travail), ein Gewerkschaftsdachverband, rief anschließend dazu auf, die Landung überall entlang der tunesischen Küste zu blockieren: „Lasst nicht das Rassismus-Schiff die tunesischen Häfen besudeln! Vertreibt sie, wie es eure Brüder in Zarzis und Sfax getan haben!“. Auch Chamseddine Bourassine, der Vorsitzende der Fischervereinigung äußerte sich: „Wir werden den Kanal schließen, der (dem Schiff) zur Versorgung dient. Das ist das Mindeste, was wir tun können angesichts dessen, was im Mittelmeer geschieht, angesichts des Sterbens von Muslimen und Afrikanern“

Identitäre wollen Flüchtlingsrettung praktisch verhindern

Die „C-Star“ hatte vorher bereits versucht, die Arbeit der „Aquarius“ zu stören. Dieses Schiff, das sowohl „Ärzte ohne Grenzen“ als auch „SOS MEDITERRANEE“ zur Seenotrettung nutzen, verfolgten die Identitären eine Zeit lang gefährlich nah. Auch sprachen sie Drohungen aus und forderten die ÄrztInnen und HelferInnen auf, ihre Arbeit einzustellen. Die Besatzung der „C-Star“ versteht sich dabei selbst als „Schützer der europäischen Küste und Europas“, ihrer Mission gaben sie den Namen „Defend Europe“. Deutsche, französische und italienische Identitäre hatten über soziale Medien rund 170.000 Euro Spendengelder gesammelt, um das Schiff anzumieten.