Umfrage zeigt: Große Mehrheit der BürgerInnen will höhere Steuern für Reiche

Kaum Veränderungen in den letzten vier Jahren: Aktuell halten 75 Prozent der Deutschen die Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht. Dies hat eine repräsentative Erhebung ergeben, die vom 15. bis 18. August 2017 vom Institut „Kantar Public“ im Auftrag des „Paritätischen Gesamtverbandes“ durchgeführt wurde. Die gleiche Studie hatte bereits 2013 zu ähnlichen Ergebnissen geführt.

Auffallend ist, dass mit Ausnahme der FDP bei den SympathisantInnen aller Parteien eine deutliche Mehrheit die aktuelle Vermögensverteilung als eher ungerecht empfindet. Erläutert man die aktuelle Vermögensverteilung genauer, geben selbst Anhänger der CDU/CSU zu fast 80 Prozent an, sie fänden die Verteilung eher ungerecht. Nach einem aktuellen Bericht der Bundesregierung verfügen die reichsten 10 Prozent der Privathaushalte in Deutschland über 52 Prozent des gesamten Vermögens, die untere Hälfte der Gesellschaft über 1 Prozent.

Eine deutliche Mehrheit sieht außerdem zusätzlichen Investitionsbedarf in den Bereichen Bildung (78%), bezahlbarem Wohnraum (73%), Soziales (62%) und Klimaschutz (54%). Für mehr Ausgaben in dem Bereich Verteidigung bzw. Rüstung sprechen sich lediglich 23 Prozent der Befragten aus. Dieser Befund ist bei allen AnhängerInnen der derzeit im Bundestag vertretenen Parteien stabil.

Eine ebenfalls große Mehrheit der Befragten ist der Meinung, dass sich der Staat aktuell zu wenig für altersarme Menschen engagiert (84%). Auch bei Pflegebedürftigen (77%), den Hilfen für benachteiligte Kinder und Jugendliche (72%) und bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt (53%) sieht eine deutliche Mehrheit Handlungsbedarf. Lediglich beim staatlichen Engagement für Geflüchtete ergibt sich ein anderes Bild. Hier ist es nur ein knappes Drittel, das angibt, der Staat setze sich zu wenig ein, während 60 Prozent der Meinung sind, er tue genug (38%) oder sogar zu viel (22%).

Nach wie vor gibt es eine ungebrochen hohe Zustimmung in der Bevölkerung (74%) zu einer stärkeren Besteuerung hoher Einkommen und großer Vermögen.

Dabei sehen 77 Prozent derjenigen, die sich für eine höhere Besteuerung derselben ausgesprochen haben, in der Vermögenssteuer die Steuer der Wahl. Rund zwei Drittel sprechen sich für eine Erhöhung der Einkommenssteuer aus (67%). Die Erbschaftssteuer wird von weniger als der Hälfte der Befragten als geeignete Steuer angesehen.

Insgesamt wurden telefonisch 1.005 wahlberechtigte Personen über 18 Jahren in Deutschland befragt. Es handelt sich dabei um eine repräsentative Zufallsauswahl (Random-Stichprobe).