Nach monatelangen Kämpfen konnte die syrische Stadt Raqqa nun von den „Demokratischen Kräften Syriens“ vollständig befreit werden. Wie es nun weiter geht ist unklar.

Lange hatten die Kämpfe der „Demokratischen Kräfte Syriens“ (SDF) – ein Zusammenschluss kurdischer, arabischer und jesidischer Kampfverbände – angehalten, bis nun die vollständige Befreiung der ehemaligen Hauptstadt des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) verkündet werden konnte.

Straße für Straße kämpften sich die Einheiten unter Federführung der kurdischen Frauen- und Volksverteidigungseinheiten (YPJ/YPG) vor, um die Verluste unter den tausenden Zivilisten so gering wie möglich zu halten. Zehntausende Zivilisten konnten während der Befreiungsoperation gerettet werden.

Doch die Stadt ist durch die Kämpfe fast vollständig zerstört worden. Unter den Trümmern vieler Häuser werden noch tausende Sprengfallen und Minen vermutet, welche der Islamische Staat dort platziert hatte, um das Vorrücken während der Befreiung so verlustreich und langsam wie möglich zu machen.

Laut einer Sprecherin der Befreiungsoperation „Wut des Euphrats“, Jihan Sheikh Ahmad, haben die SDF-Einheiten nun damit begonnen, die Stadt nach möglichen versteckten IS-Kämpfern abzusuchen. „Ergänzend dazu müssen die von den Banden gelegten Minen entschärft werden, damit wir danach sicher gehen können, dass die gesamte Stadt gereinigt wurde.“

Die Befreiung der Stadt Raqqa und damit auch die Befreiung von tausenden Frauen und Kindern, die der IS dort als Geiseln und Sklaven hielt, war eines der großen Ziele, insbesondere der Frauenkampfverbände YPJ. Viele der dort kämpfenden Frauen waren selbst in die Hände des IS gefallen und schlossen sich nach ihrer Befreiung den KämpferInnen an, um die noch in Gefangenschaft verbliebenen Leidensgenossinnen in Sicherheit zu bringen.

Nach der Befreiung Raqqas ist es jedoch unklar, wie sich die politische und militärische Situation in Syrien weiterentwickeln wird. Der IS ist in den meisten Gebieten vernichtend geschlagen. Durch den von Russland gedeckten Einmarsch türkischer Truppen in die Provinz Idlib einerseits und durch die nach wie vor ausbleibende Anerkennung eines föderalen kurdischen Gebietes innerhalb Syriens durch die syrische Regierung andererseits, könnten diese politischen Spannungsfelder zu neuen militärischen Kämpfen führen.