Viele von uns sind unzufrieden mit dieser Gesellschaft. Arbeitslosigkeit, schlecht bezahlte Jobs, Konkurrenzdruck, Ausbeutung und Rassismus machen uns das Leben schwer. Dabei wird uns gesagt, dass wir uns nur mehr anstrengen müssten um diese Situation zu verändern. Schließlich ist doch jede/r seines eigenen Glückes Schmied. Oder etwa nicht? – Ein Kommentar zum 100. Jahrestag der sozialistischen Oktoberrevolution

Ganz so einfach ist es nicht. Natürlich versuchen wir alle, einen möglichst guten Job zu bekommen, um uns selber und vielleicht unsere Familie ernähren zu können, aber geht das nur auf Kosten unserer KollegInnen im Betrieb? Ist jede/r, der/die mit mir arbeitet, ein/e potentielle/r KonkurrentIn? Oder haben wir nicht eigentlich die selben Interessen und die selben Probleme? Muss dann nicht auch die Lösung unserer Probleme eine kollektive sein, welche wir nur gemeinsam erreichen können?

Die Probleme der ArbeiterInnenklasse sind nicht neu, sie betreffen nicht nur Einzelne von uns und haben vor allem ihre Grundlage nicht in unserem persönlichen, individuellen Verhalten. Das kapitalistische Wirtschaftssystem, in dem wir leben, schafft diese Schwierigkeiten, die uns alle betreffen. Es ist die Grundlage für unsere Belastungen und die Grundlage für den unermesslichen Reichtum einiger Weniger.

Immer wieder kommen wir zu dem Schluss, dass wir alleine ja doch nichts ändern können, das meine Eltern schon so gelebt haben, dass ich so leben werde und auch meine Kinder so leben werden. Aber stimmt das überhaupt? Sicher – durch parlamentarische Wahlen, wie sie alle paar Jahre stattfinden, wird sich nichts grundlegend ändern, aber die Geschichte zeigt uns, dass es doch möglich ist.

Die „Oktoberrevolution“ von 1917 ist ein Beispiel

Genau vor einhundert Jahren haben sich die Arbeiterinnen und Arbeiter in Russland zusammengeschlossen und gegen dieses System und ihr Leben in Armut und Unterdrückung aufbegehrt. Sie haben sich aufgrund ihrer gemeinsamen Probleme und ihrer gemeinsamen Interessen organisiert und ihr Schicksal selbst in die Hand genommen. Am 7. November 1917 stürmten tausende Menschen – einfache ArbeiterInnen, Bauern und Soldaten –  das Parlament und setzten die Kerenski-Regierung ab, die monatelang nichts gegen die Not der Menschen getan hatte. Ein 8-Stundentag bei kollektiver Produktion, konsequente Friedenspolitik, kostenloses Gesundheitssystem, gleiche Rechte für Frauen, Umweltschutzmaßnahmen – das waren die ersten Maßnahmen dieses sozialistischen Aufbaus.
Die Angst der Herrschenden vor einer revolutionären Welle war riesig. Um ihr beizukommen, versuchten viele verzweifelt einzelne Maßnahmen nachzuholen, die Russland als Standard gesetzt hatte. Noch heute können wir ArbeiterInnen davon profitieren.

Mit der „Oktoberrevolution“ vor einhundert Jahren haben die Menschen gezeigt, dass es ganz real möglich ist, die gesamte Gesellschaft so zu verändern, dass sie nach unseren Interessen ausgerichtet ist. Sie haben gezeigt, dass es eine Gesellschaft geben kann, in der alle Menschen gleichermaßen am gesellschaftlichen Reichtum beteiligt sind, in der nicht Konkurrenz und Egoismus die zentralen Eigenschaften sind, sondern Gemeinschaft und Solidarität. In der nicht der/die Einzelne seine/ihre scheinbar „individuellen Probleme“ lösen muss, sondern gemeinsame Lösungen gefunden werden können.

Die Oktoberrevolution hat schon vor einhundert Jahren gezeigt, welche immensen Kräfte freigesetzt werden können, wenn es keine unvorstellbar reichen Menschen gibt, die nur von der Ausbeutung anderer Menschen leben, sondern wenn die gesellschaftlich notwendige Arbeit auf alle verteilt wird. Ein sicheres und gutes Leben für alle ist keine Illusion, die wir niemals erreichen können, sondern eine Vision, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Auch heute ist Veränderung möglich!

Auch heute können wir im Kleinen damit anfangen, Dinge zu verändern. Auch heute können wir uns gegen unsere gemeinsamen Probleme mit Vermietern, VorarbeiterInnen und Chefs zur Wehr setzen und so unserer eigenen Kraft als Arbeiterinnen und Arbeiter bewusst werden.

Wenn wir uns gegen Vereinzelung und Stellvertretertum zusammenschließen und die alltäglichen Probleme in unserem Betrieb, in unserem Viertel, unserer Schule oder Universität als die Probleme aller Betroffenen begreifen, dann können wir sie auch gemeinsam überwinden.

Ein gemeinsam organisierter Streik oder Protest kann weitere Menschen, welche die selben Probleme haben, aufmerksam machen und dazu bringen, selbst aktiv zu werden. Die Geschichte ist voll von positiven Beispielen, die zeigen: wenn wir uns zusammenschließen und für unsere Rechte und Interessen einstehen, werden wir sie auch vereint erkämpfen können. Das, was schon vor einhundert Jahren möglich war, ist auch heute möglich, wenn wir uns solidarisch organisieren und uns nicht durch reaktionäre Hetze wie Rassismus, Chauvinismus und Sexismus spalten lassen.