Die Einkommen in Deutschland sind so ungleich verteilt wie vor 100 Jahren.

Laut dem ersten „Weltreport über Ungleichheit“ – gerade veröffentlicht auf dem Portal „wid.world“ –, der von dem französischen Ökonomen Thomas Piketty in Kooperation mit mehr als 100 Wirtschaftswissenschaftlern erarbeitet wurde, nimmt die Ungleichheit der Einkommensverteilung weltweit stark zu. Piketty warnt davor, dass wachsende Ungleichheit zu politischen, wirtschaftlichen und sozialen Katastrophen führen könne.

Die von Piketty und seinem Team erarbeiteten Daten zeigen, dass die Ungleichheit der Einkommen seit 1980 in allen Regionen der Welt zugenommen hat. Besonders stark steige diese laut Piketty in Nordamerika, China, Indien und Russland.

So habe sich der Anteil der Einkommen des reichsten einem Prozent der Weltbevölkerung von 16% auf 20% am weltweiten Einkommen gesteigert. In den USA etwa verdoppelte das reichste eine Prozent seinen Anteil am Vermögen sogar auf 40%. Weltweit entfallen auf die obersten zehn Prozent der Bevölkerung 40% der weltweiten Vermögenswerte.

Laut Charlotte Bartels vom „Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung“ (DIW) gab es während des „Wirtschaftswunders“ nach dem zweiten Weltkrieg einen Aufschwung auch in den Einkommen der unteren 50% der Bevölkerung. Dieser Anteil reduziert sich jedoch seit den 1970er Jahren wieder kontinuierlich. Seitdem hat sich ihr Anteil am Einkommen um ein Drittel bis heute halbiert.

Bartels hat die auf Deutschland bezogenen Werte der Studie ausgewertet und bescheinigt Deutschland eine so ungleiche Verteilung der Einkommen wie im Jahre 1913, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkriegs.

In Deutschland profitieren die reichsten 0,1 Prozent Bartels zufolge vor allem vom Unternehmensbesitz: „Über 80 Prozent der deutschen Wirtschaft dürften sich in Familienhand befinden“, so Charlotte Bartels gegenüber der dpa.

Auch der DIW-Chef Marcel Fratzscher machte vor einigen Wochen bereits darauf aufmerksam, dass das Einkommen der unteren 40% der Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren gesunken sei. Ein internes Papier aus dem Wirtschaftsministerium, aus dem die Süddeutsche Zeitung im August zitierte, zeigt, dass trotz zuletzt vereinzelt gestiegener Reallöhne die Kaufkraft eines großen Teils der Bevölkerung heute unter der von vor 20 Jahren liegt.

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