„Amnesty International“ dokumentiert die zahlreichen Verbrechen des Ölkonzerns gegen die Menschenrechte.


Das Dokument mit dem Namen „A Criminal Enterprise“ (= ein kriminelles Unternehmen) behandelt die Verbrechen, die Shell in den 1990er Jahren in Nigeria unterstützte. Zu der Zeit war der britisch-niederländische Konzern eines der größten und das einflussreichste Unternehmen des Landes – das Niger-Delta war für Shell die größte und günstigste Ölquelle.

Proteste gegen Zerstörung der Umwelt

In den 1990er Jahren gab es in Nigeria die sogenannte „Ogoni-Krise“. Die Ogoni sind eine indigene Volksgruppe im Niger-Delta, die – nachdem die Erdölförderung um 1960 dort begonnen hatte – ihre Lebensgrundlage bedroht sahen. Sie organisierten ab 1993 friedliche Proteste, in denen sie ihre eigenen Rechte einforderten, darunter auch das Recht auf eine unversehrte, funktionsfähige und landwirtschaftlich nutzbare Umwelt. Für kurze Zeit gelang es so, die Ölforderung zu stoppen. Zu dieser Zeit begann der Shell-Konzern eine Kooperation mit dem nigerianischen Diktator Sani Abacha. Auf Drängen des Unternehmens griff schließlich das nigerianische Militär ein und setzte gewaltsam durch, dass „Royal Dutch Shell“ weiterhin Öl aus nigerianischem Boden fördern konnte. Die Milliardengewinne des Konzerns jedoch kamen und kommen auch seitdem keinem der Leidtragenden zugute, machten sie doch in den 90er Jahren rund 95% des Staatshaushalts aus.

Ermordung von Menschenrechtlern

Neben der Umweltzerstörung – die Shell zwar bekannt war, jedoch öffentlich abgestritten wird – weist Amnesty International zahlreiche Verstöße gegen das Menschenrecht nach. So forderte der Konzern die nigerianische Regierung auf, „das Problem mit den Ogoni zu lösen“, im Wissen darum, dass eine ‚Lösung‘ mithilfe des Militärs Morde, Vergewaltigungen, Folter und Zerstörung ganzer Dörfer mit sich bringen würde. Im Gegenzug finanzierte Shell einige der Einsätze ganz direkt, stellte Transportwagen zur Verfügung und unterstützte das Militär logistisch. Der wohl bekannteste Fall ist der um Ken Saro-Wiwa: Der Menschenrechtler und Schriftsteller gründete die bedeutendste Vertretung der Ogoni, die „MOSOP“ (Movement for the Survival of the Ogoni People = Bewegung für das Überleben des Ogoni-Volks). Gemeinsam mit acht weiteren Aktivisten wurde er des Mordes angeklagt – fälschlicherweise. Nach einem Show-Prozess wurden alle Neun gehenkt. Bis heute streitet der Ölkonzern trotz aussagekräftiger Indizien ab, in den Prozess verwickelt gewesen zu sein – seit dem Jahr 2009 gibt es eine außergerichtliche Einigung auf Entschädigungszahlungen.

Shells direkte Mittäterschaft

Die offizielle Haltung des Konzerns ist klar: Man habe nicht mit dem Militär kooperiert, von kaputten Pipelines und der Umweltzerstörung nichts gewusst und Gewalt nie gut geheißen. Dokumente hingegen belegen, dass in den Führungsebenen auch britischer und niederländischer Standorte die Vereinbarungen mit dem Diktator ebenso bekannt waren wie die massive Umweltzerstörung. Die Entschädigungszahlungen, die das Unternehmen offensichtlich einem Gerichtsprozess vorzog, betragen einen verschwindend geringen Teil des hunderte Millionen schweren Umsatzes von Shell. Bis heute übernimmt der Konzern keinerlei Verantwortung: nicht für die zahlreichen Toten, die während der Proteste niedergeschlagen wurden, nicht für die erhängten Menschenrechtler und nicht für dass ölverseuchte Land, unter dem die Bewohner bis heute leiden.

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