Über die Geschichte und Schattenseiten des größten Immobilien-Konzerns Deutschlands – Ein Kommentar von Pa Shan


Der größte deutsche Immobilien-Konzern, die „Vonovia SE“, wird den österreichischen Immobilien-Konzern „Buwog“ für 5,2 Milliarden Euro übernehmen. Das freut die Eigentümer. MieterInnen haben hingegen keinen Grund zum Jubeln.

Vonovia SE baut Monopol auf

Das mächtigste Wohnungsunternehmen und der größte private Vermieter Deutschlands hat am Montag verkündet, er habe die Übernahme des Konkurrenten Buwog aus Österreich vereinbart. Der Konzern plant, Buwog für 5,2 Milliarden Euro zu schlucken. Damit würde die Vonovia ihre Monopolstellung in Deutschland noch weiter ausbauen. Ihr Wohnungsbestand würde von 350.000 auf ca. 400.000 ansteigen. Sofern die Kartellprüfer in Deutschland und Österreich sich den Eroberungplänen der Vonovia nicht in den Weg stellen, wird die Übernahme bereits im März 2018 über die Bühne gehen.

Vonovia ist selbst das Produkt einer Fusion von „Gagfah“ („Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten“) und „Deutsche Annington“ (Link). Nach der Fusion stieg das Unternehmen 2015 in den Deutschen Aktienindex (DAX) der 30 größten börsennotierten Konzerne auf. Und 2016 schluckte es die österreichische Immobiliengesellschaft „Conwert“ für fast 3 Milliarden Euro. Im selben Jahr wollte der Immobilienriese dann auch seinen größten Konkurrenten, die „Deutsche Wohnen“, für 15 Milliarden Euro kaufen. Der Plan scheiterte bislang. Mit der Übernahme der Buwog würde die Vonovia ihre Vorteile jedoch ausbauen und bessere Voraussetzungen für einen späteren Coup gegen ihre größte Konkurrentin auf dem deutschen Markt schaffen. Denn ab 2018 wäre das Wohnungseigentum des Mega-Konzerns doppelt so groß wie das der Nummer 2 auf dem Markt (Link).

Vonovia-Chef verspricht Vorteile für alle

Durch die Übernahme erhofft sich Vonovia Einsparungen in Höhe von 30 Millionen Euro jährlich. Der Vonovia-Chef Rolf Buch erklärte am Montag: „Wir wollen Kostenvorteile schöpfen, zum Wohle der Mieter und der Aktionäre gleichermaßen. Der Manager versprach den Aktionären höhere Einnahmen und die steigenden Aktienkurse untermalten diese Behauptung.

Den MieterInnen verhieß der Spitzenmanager billigere Badezimmer und eine preiswertere energetische Sanierung. Außerdem kämen Synergieeffekte durch Tochterunternehmen zustande, die dem Immobilienkonzern durch günstigere Angebote zuarbeiteten. „Davon werden unsere Kunden profitieren“, versprach Buch hoch und heilig. Auch plant die Vonovia, jährlich deutlich mehr Wohnungen zu bauen. Bislang wurden etwa 2000 Wohnungen pro Jahr geplant. Zukünftig sollen den MieterInnen und KäuferInnen ca. 4.000 neue Wohnungen jährlich zur Verfügung gestellt werden.

Der Vonovia-Chef, der zuvor Vorstandsmitglied der Bertelsmann AG war, wirbt also vor allem mit Kostenersparnissen und Modernisierungen. Angeblich komme dies Allen zugute. Dieses Heilsversprechen lernt man als Kapitalist bei Bertelsmann in- und auswändig. Und die Vonovia versucht, davon nicht nur die EigentümerInnen zu überzeugen, die das gerne glauben möchten, sondern auch die MieterInnen von Vonovia-Wohnungen, die es besser wissen dürften.

Intransparenz, Gewalt und Einschüchterung

Während die Aktionäre und Vorstandsmitglieder der Vonovia sich freuen, gibt es seitens der KundInnen wenig Grund zur Freude. Der Sprecher des Mieterbundes, Ulrich Ropertz, gibt zwar zu: „Es gibt Kostenvorteile durch eine Übernahme“, fügt aber sogleich hinzu: „Aber nur für Vonovia“. Denn „ob die Mieter etwas davon finanziell zu spüren bekommen, ist fraglich. Bisherige Übernahmen jedenfalls haben nicht dazu geführt, dass auch Mieter sichtbare Kostenvorteile gehabt hätten.“ Die Konzentration von Wohneigentum bei Vonovia diente demnach einseitig den Aktionären und Managern des Monopolisten.
Auch die Intransparenz und Scheinvergünstigungen bei Vonovia kritisierte der Mieterbund. So warnte Ropertz: „Modernisierungen und andere Dienstleistungen werden immer häufiger von Vonovia-Tochtergesellschaften durchgeführt. Und inwieweit in diesem Geflecht was für Kosten entstehen, welche Preise niedriger sind und was davon beim Mieter ankommt, ist vollkommen intransparent“ (Link). Aber nicht nur das.

Bekannt ist der Vonovia-Konzern auch für sein Vorgehen gegenüber den eigenen MitarbeiterInnen und den Gewerkschaften. Die Rede ist von Einschüchterungsversuchen. Verdi hatte eine Kampagne gestartet, um mehr unter den 6.000 Vonovia-MitarbeiterInnen gewerkschaftlich zu organisieren. Nur noch 30 Prozent der Beschäftigten würden nach Tarif gezahlt, so Verdi (Link).

Was dann passierte, war unschön: „Vonovia reagiert darauf mit Druck: Beschäftigten wurden in Einzelgesprächen Nachteile in der beruflichen Entwicklung angekündigt“, schrieb Verdi in einer Mitteilung (Link). Auch habe es physische Auseinandersetzungen im Konflikt mit Verdi gegeben. Das Unternehmen dementierte die Anschuldigungen in einer Erklärung: „Wir haben einen wertschätzenden und respektvollen Umgang miteinander im Unternehmen“, lautete die Gegendarstellung.

Man kann das nun unkritisch glauben oder auf die Geschichte des Konzerns schauen: Schon vor der Fusion mit der Mülheimer Wohnungsgesellschaft Gagfah hatte die Deutsche Annington keinen guten Ruf. MieterInnen beschwerten sich häufig über Sanierungsstau, unübersichtliche Nebenkosten und schlechte Erreichbarkeit von Hausmeistern. MieterInnenvereine hatten vor dem Zusammenschluss von Annington und Gagfah gewarnt: Beide Unternehmen stünden nach dem Börsengang unter großem Kostendruck, hieß es.

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