Seit mehreren Tagen ist die zweitgrößte Stadt Brandenburgs in den Schlagzeilen. In Cottbus hat sich die Gewalt zwischen Deutschen und Flüchtlingen so sehr verstärkt, dass sich bereits überregionale Nachrichten-Institute für die Lausitz interessieren. – Ein Kommentar von Felix Thal 

Da Flüchtlinge mittlerweile mit Messern bewaffnet seien, ist das rassistische Bündnis „Zukunft Heimat“ so stark angewachsen, dass es mehr als 1.500 Personen auf die Straße bringen konnte, um die „Ängste der Bevölkerung zu artikulieren“. Das Problem sind aber nicht die Menschen mit Fluchterfahrung, sondern der Rassismus!

Vor zwei Tagen sah sich der Radiosender radioeins vom RBB dazu genötigt, eine mehrstündige Nachmittagssendung aus Cottbus selbst zu produzieren, um die Stimmung und die Probleme vor Ort einzufangen. Wie gewohnt kamen Menschen aus der Politik, von der Straße und vom Rundfunk Berlin Brandenburg zu Wort. Das Hauptinteresse bestand darin, herauszufinden, warum die Menschen das Vertrauen speziell in den RBB verloren haben und wie man dieses wieder zurück gewinnt. Der Sendechef aus Cottbus vermutete, dass die Berichterstattung über die Demonstrationen in Cottbus zu einseitig ausgefallen sei, und man nicht alle Teilnehmenden der Kundgebungen schlicht als Rechtsextreme bezeichnen könne.

Der RBB ist hier der Taktik der Rassisten auf den Leim gegangen und versucht nun, deren Vertrauen wieder zurück zu gewinnen. Es ist wahr, dass sich JournalistInnen Angriffen ausgesetzt sehen, wenn sie von Ereignissen aus Cottbus berichten wollen und die Schlachtrufe „Lügenpresse“ hallen jetzt noch durch die Straßen Cottbus. Das Problem sind aber nicht die Flüchtlinge, sondern die rassistische Mobilisierung, die schon seit Monaten und Jahren läuft. Speziell in Cottbus besteht die rassistische Szene aus den durchschnittlichen Leute von der Straße, Hooligans aus dem Umfeld des Fußballvereins „Energie Cottbus“, Mitgliedern der neu gegründeten Ortsgruppe „Identitäre Bewegung“ und freien rechtsradikalen Kräften, die es verstanden haben, an den rassistischen Protest gegen Geflüchtete anzuknüpfen. Diese Mischung ist nichts Neues und wird so in unzähligen Städten in Deutschland praktiziert.

Der RBB sieht sich nun genötigt, die „Sorgen und Ängste“ der Menschen wahrzunehmen. Die „Ängste und Sorgen“ von Rassisten und organisierten Neonazis aber müssen und dürfen nicht ernst genommen werden, sondern als das benannt werden, was sie sind: Rassismus!

Ein Großteil der deutschen Politik und der Presselandschaft legt dieses Verhalten nur bei „besorgten Bürgern“ an den Tag. Noch nie ist es dazu gekommen, die „Sorgen, Nöte und Ängste“ von Menschen mit Fluchterfahrung ernst zu nehmen. Oder die Sorgen der Menschen, die sich bei den Protesten gegen den G20-Gipfel beteiligt haben. Oder die Nöte der KurdInnen, die gegen den Krieg Erdogans protestieren. Oder die Ängste von Menschen, die von Hartz 4 betroffen sind. Vor allem aber dürfen wir nicht weiter zulassen, dass verschiedene Teile der Gesellschaft – seien es Deutsche oder MigrantInnen – sich weiter gegeneinander ausspielen lassen.

Es bleibt weiter deutsch in Kaltland.