Empörung in der Politik – dabei wusste sie seit langem Bescheid.

Ein von der Autolobby gegründetes Forschungsinstitut soll Versuche an Affen und Menschen in Auftrag gegeben haben. Nun ist die Aufregung in der Politik groß, auch Konzerne distanzieren sich – doch wie ehrlich ist die Empörung?

Das Institut und die Tierversuche

Im Jahr 2007 gründete die Autolobby das Institut „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor e.V.“ (EuGT). Bis zu seiner Abwicklung im Jahr 2016 waren im Vorstand Vertreter von VW, Daimler und BMW vertreten. In dieser Zeit sollen mindestens zwei umstrittene Tests durchgeführt worden sein: So mussten im Jahr 2013 bei einem Versuch in den USA zehn Affen stundenlang Abgase einatmen, während die Forscher ihre Testgeräte studierten.

In einer Studie der EuGT aus dem Jahr 2016 wird außerdem auf Tests über „Stickstoffdioxidbelastung am Arbeitsplatz“ eingegangen, welche an der Universität „RWTH Aachen“ an Menschen durchgeführt wurden. Die Ethikkommission der Uni hatte den Versuch genehmigt – auch die Finanzierung durch die Autolobby mit 75.000€. Das Ergebnis entsprach genau dem, was die Geldgeber hören wollten: „kurzfristig sind keine gesundheitlichen Schäden nachweisbar“.

Aufgrund der Nähe zur Industrie stieg unter anderem der Wissenschaftler Ulrich Keil aus dem Institut aus: „Ich wurde zunehmend skeptisch bei der Verharmlosung der Diesel-Geschichten. Es ist beschämend, dass Wissenschaftler so vorgeführt wurden.“

Empörung in der Politik

Die Reaktion aus der Politik ist scharf: „Tests an Affen oder sogar Menschen sind ethisch an keiner Weise zu rechtfertigen und sie werfen viele kritische Fragen an diejenigen, die hinter diesen Tests standen, auf“, so Regierungssprecher Steffen Seibert.

Auch Kirsten Lühmann, Verkehrspolitikerin der SPD, sieht „amoralisches“ Verhalten: „Ich war erschüttert, dass die deutschen Hersteller eine Organisation gründen, die Tier- und Menschenversuche nur zu dem Zwecke durchführt, um ihre Produkte entgegen anderen wissenschaftlichen Untersuchungen als unbedenklich darzustellen“, so Lühmann.

Tierversuche nicht neu

Dabei hätten es Frau Lühmann und auch alle anderen Parteien wissen können: Wie das Handesblatt bereichtet, wurde sich am 8. September 2016 im Untersuchungsausschuss in der Diesel-Abgas-Affäre mehrfach zu Tierversuchen geäußert, unter anderem durch Helmut Greim, Träger des Bundesverdienstkreuzes mit Stern und wichtiger Akteur beim Autolobby-Institut.

Doch nicht an einer Stelle fragte einer der anwesenden Politiker von CDU, SPD, Grünen oder Linken nach, was es mit jenen Versuchen auf sich habe. Auch Frau Lühmann erklärte, sie könne sich daran „nicht mehr erinnern“.

Stefan Bratzel vom unabhängigen, wissenschaftlichen „Center of Automotive Management Bergisch Gladbach“ erklärte dazu in den Tagesthemen: „Man muss ganz klar sagen, dass es in der Politik eine Kultur des Wegschauens gab.“