Zur Silvesternacht organisierten junge Frauen eine Kundgebung, um Opfern sexistischer Gewalt ebenso Gedenken wie der rassistischer Hetze – ein Bericht von Olga Wolf

Silvester ist in Köln zum Symbol geworden für sexuelle Übergriffe an Frauen, seit dem es in der Nacht 2015/2016 zu zahlreichen aufdringlichen Anmachen, Übergriffen und Vergewaltigungen kam. Im Folgenden begann eine mediale Hetze gegen Asylsuchende, befeuert durch zahlreiche faschistische Gruppen, die auch körperliche Übergriffe auf Geflüchtete verübten. Ihr Vorwand: „Der Schutz deutscher Frauen vor zügellosen Ausländern.“

Rund 30 junge Menschen aus ganz NRW kamen gestern in der Nähe des Doms zusammen, um ihre Stimmen gegen Sexismus und rassistische Hetze zu erheben. Das Programm wurde dabei ausschließlich von Frauen organisiert, denn wo es um frauenfeindliche Gewalt und ihre Selbstverteidigung geht, sollten sie die jenigen sein, die zu Wort kommen. Zahlreiche Redebeiträge machten deutlich: Frauen wollen nicht Vorwand sein dafür, dass Geflüchtete auf der Straße verprügelt werden, sie können und wollen sich selbst gegenseitig schützen.

Ebenso wurde den Frauen gedacht, die ihr Leben wegen patriarchaler Gewalt verloren haben, die Geschichten einiger Frauen wurden zu diesem Anlaß erzählt. Allein im letzten Jahr gab es mehr als 330 Todesfälle, in denen der Täter in der Regel der (Ex-)Partner ist.

Das Kulturprogramm wurde bereichert durch die junge Slampoetin Leah Leaf und die jungen VeranstalterInnen konnten sich über viele PassantInnen freuen, die interessiert zuhörten, manchmal sehr gerührt waren und sich manchmal lautstark beteiligten.