Am vergangenen Wochenende hat sich in Berlin eine internationale unabhängige Kommission zur Aufklärung der Wahrheit über den Tod von Oury Jalloh gegründet und ihre Arbeit aufgenommen.

Die Kommission hat sich die Aufgabe gestellt, die genauen Umstände, unter denen der aus Sierra Leone stammende Oury Jalloh vor 13 Jahren in einem Dessauer Polizeirevier verbrannt ist, zu untersuchen. Die Kommission setzt sich aus neun Persönlichkeiten aus Deutschland, Italien, Großbritannien und Österreich zusammen.

Neben der Aufarbeitung der genauen Todesumstände möchte die Kommission auch beleuchten, warum es mehr als 12 Jahre gedauert hat, bis die Ermittlungsbehörden überhaupt die Möglichkeit einer Tötung Oury Jallohs in Betracht zogen. Ebenso sollen mögliche falsche Behauptungen, Manipulationen von Beweismitteln, Vertuschung bei der Kriminaltechnik und Gerichtsmedizin sowie die Ausübung von Druck gegen Zeugen beleuchtet werden.

Auch mögliche strukturelle Mängel bei der generellen Untersuchung und Verfolgung polizeilicher Übergriffe und die Verhinderung von deren Aufklärung sollen untersucht werden. Die Kommission will ihre Untersuchungen dabei auch in den historischen und gesellschaftlichen Kontext in Deutschland und Europa einordnen und die Ergebnisse in diesem Licht betrachten.

Zu Beginn der Untersuchungen wird die unabhängige Untersuchungskommission, laut einer Pressemitteilung, den Kontakt zu allen staatlichen Ermittlungsbehörden der Staatsanwaltschaften und den parlamentarischen Rechtsausschüssen aufnehmen. Sie wird weiter vollständige Akteneinsicht in die Ermittlungsakten und Beweismittel beim Justizministerium des Landes Sachsen-Anhalt anfordern.

Ob und inwieweit staatliche Behörden die Arbeit der Kommission fördern oder behindern werden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.