Für Kinder unter drei Jahren herrscht nach wie vor Betreuungsmangel

Schon 2014 versprach die Regierung allen Eltern: Jedem Kind, das älter als ein Jahr ist, ist ein Betreuungsplatz garantiert. Sogar ein Gesetz wurde im Zuge dessen erlassen. Doch bis heute können sich Eltern in Deutschland darauf nicht verlassen, knapp 300.000 Betreuungsplätze fehlen auch in diesem Jahr. Das Deutsche Institut für Wirtschaft lobt den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, rückt jedoch selbst ein: Die Betreuungslücke ist nicht kleiner geworden, ein Betreuungssystem, dass die Bedürfnisse von Eltern und Kindern deckt, gibt es nach wie vor nicht. Es ist in den vergangenen Jahren nicht gelungen, ein System aufzubauen, dass den aktuellen Geburtenzuwachs und Kinder mit Zuwanderungsgeschichte versorgen kann.

Regional große Unterschiede
Vor allem ist die große Differenz zwischen Ost- und Westbundesländern auffällig. In Ostdeutschland ist die Betreuungsquote am höchsten, die geringste „Betreuungslücke“ (also Eltern, die einen Platz suchen, aber keinen bekommen) gibt es in Mecklenburg-Vorpommern. Ein Grund dafür kann sein, dass man 1989 in Ostdeutschland von einer Vollversorgung  sprechen konnte, also annähernd jedes Kind betreut wurde. Auch wenn die Betreuungseinrichtungen mit der Wende stark abgebaut wurden, sind entsprechende Strukturen und auch die Nachfrage erhalten geblieben. Anders sieht es beispielsweise in Nordrhein-Westfalen aus. Mit 26,3 Prozent gibt es im einwohnerreichsten Bundesland auch den geringsten Betreuungsschlüssel.

Wofür werden Betreuungsplätze gebraucht?
Viele PädagogInnen raten Eltern, Kinder schon früh in Kindertagesstätten unterzubringen. Es fördere die Selbstständigkeit, ermögliche das Erlernen von Sozialkompetenzen unter Gleichaltrigen, außerdem kann der Kindergartenbesuch soziale Ungleichheiten abfedern. Gerade aktuell bieten öffentliche Einrichtungen für Kinderbetreuung eine wichtige Möglichkeit für alle Kinder, Deutsch sprechen zu lernen. Damit legen sie einen Grundstein für Chancengleichheit Grundschule.  Aber auch SPD und Union haben – wieder Mal – erkannt, dass flächendeckende Kinderbetreuung notwendig ist, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Für nicht wenige Familien ist das eine finanzielle Notwendigkeit. Und so kann der Ausbau von Kindergärten dazu Beitragen, die Erziehungsarbeit, die bisher auf den Schultern von Frauen lastet, gerechter aufzuteilen.