Bundeswehr plant neues Kommandozentrum für das Bündnis

Die Bundeswehr will ein neues NATO- Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte aufbauen. Das berichtete die Deutsche Presse-Agentur in der vergangenen Woche. Demnach haben sich die Staaten des Nordatlantikpakts im Grundsatz darauf verständigt, ein entsprechendes Angebot der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) anzunehmen. Eine offizielle Entscheidung soll bei einem Treffen der NATO-Verteidigungsminister in der kommenden Woche fallen. Als Standort ist die Region Köln/Bonn im Gespräch. Dort könnten laut Angaben aus NATO-Kreisen hunderte neue Dienstposten geschaffen werden.

Die NATO will ihre Kommando- und Streitkräftestruktur vor allem gegenüber Russland stärken. Das Bündnis hatte seit 1999 schrittweise zahlreiche osteuropäische Staaten aufgenommen und damit sein Einflussgebiet bis an die russische Grenze erweitert. Nach Beginn des Krieges in der Ukraine richtete die NATO zudem sogenannte Battlegroups in den baltischen Staaten und in Polen ein. In der Ukraine hielt das Bündnis 2015 das umstrittene Manöver „Rapid Trident“ ab. Russland antwortete unter anderem Mitte 2017 gemeinsam mit Weißrussland mit dem Manöver „Sapad“ an der Grenze zu Estland, Lettland, Litauen und Polen. Vor diesem Hintergrund soll nun die Zahl der Hauptquartiere und des Personals der NATO erhöht werden: „Wir brauchen eine Kommandostruktur, die sicherstellen kann, dass die richtigen Truppen am richtigen Ort sind – mit der richtigen Ausrüstung und zur richtigen Zeit“, so kürzlich der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Das geplante Hauptquartier in Deutschland soll dabei nicht in die bestehende NATO-Kommandostruktur integriert werden. Das macht es für Deutschland möglich, das dortige Personal und die Kapazitäten auch für nationale Übungen und Einsätze außerhalb des Bündnisses zu nutzen. Dies entspricht den Plänen der Bundesregierung, die eigenen Streitkräfte zu stärken und aufzurüsten: Nach NATO-Schätzungen werden die deutschen Rüstungsausgaben bis 2021 auf 46 Milliarden Euro jährlich anwachsen. 2014 waren es noch rund 35 Milliarden Euro.

Neben dem deutschen Hauptquartier soll ein weiteres in den USA entstehen. Von dort aus sollen die Luft- und Seewege zwischen Nordamerika und Europa kontrolliert werden.

Das Rheinland ist bereits Standort mehrerer Einrichtungen des deutschen Militärs. Neben dem Verteidigungsministerium, das noch einen Standort in Bonn hat, unterhält die Bundeswehr in der Region verteilt Dienststellen und Stützpunkte: Darunter die Streitkräftebasis und das Streitkräfteamt in Bonn, sowie kleinere Dienststellen in Euskirchen, Hürth und Siegburg. In Köln-Wahn befindet sich ein Standort der Luftwaffe.