Über einen getöteten Arbeiter in Lübben/Spreewald und andere „Unfälle“ – ein Kommentar von Lukas Baimler

Letzten Freitag hat ein 55-jähriger Mann sein Leben verloren – und zwar bei der Arbeit. Gegen 10 Uhr morgens kam es in der Fabrik, in der Munition und Sprengstoffe wiederverwertet werden, zu einer Explosion. Anschließend brach ein Feuer aus. Erst am Samstag konnte die Leiche des Arbeiters geborgen werden. Nur ein tragischer Unfall? Es ist wohl mehr als das, dafür spricht vieles. Immerhin kam es schon 2002 zu einem ganz ähnlichen Vorfall, bei dem vier Arbeiter ihr Leben verloren, weil es zu einer Kettenreaktion von Bombenexplosionen kam. Damals wollte die Staatsanwaltschaft Cottbus die Sache vor Gericht bringen, fast wäre es dazu gekommen.

Dem Geschäftsführer und zwei leitenden Angestellten wurde damals vorgeworfen, dass sie ein nicht zugelassenes Verfahren zum Demontieren der Sprengkörper angeordnet hätten, bei dem die Arbeiter per Hand die Sprengsätze öffnen mussten, statt ferngesteuert. Zynisch klingt es da aus heutiger Sicht, dass der Geschäftsführer des Spreewerks, Gert von Wickede, damals im Januar 2013 in der Lausitzer Rundschau zu Protokoll gab, dass die Demontage von schwerem Kriegsgerät „sicherer“ sei „als Silvesterfeuerwerk“.

Für Arbeiterinnen und Arbeiter ist die Diskussion um ihre Arbeitssicherheit uralt. Nicht umsonst sprechen türkische GewerkschafterInnen von „Arbeitsmorden“, weil die Arbeitsbedingungen zu oft direkt zu tödlichen Unfällen führen. Es sind tragische Ereignisse wie die Explosionen in Lübben, die ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen. Dass es aber tagtäglich Arbeitsunfälle gibt, die zwar ein Leben nicht beenden, sehr wohl aber zerstören können, wird meist gar nicht mehr wahrgenommen.

Bandscheibenvorfälle, die oft das Berufsleben von PflegerInnen oder ErzieherInnen abrupt unterbrechen, oder die in den letzten Jahren rapide ansteigenden Zahlen von psychischen Erkrankungen werfen eine Frage auf: Sind diese „Unfälle“ unvermeidbar? Es sind nur allzu oft Arbeitsbedingungen wie zum Beispiel Personalmangel oder Normen, die zu erfüllen sind, die uns körperlich und geistig zugrunde richten.

Ob es also die getöteten Kollegen aus Lübben sind oder unser alltäglicher Kampf am Arbeitsplatz: Wir müssen uns bewusst machen, dass der Kampf für ein gesundes Leben eben auch im Betrieb geführt werden muss.