Carina ist aktiv in der Bürgerinitiative „Cottbus schaut hin“, die immer wieder auf Neonazi-Gewalt aufmerksam macht. Sie hat als Anwohnerin die Feiern zum Wiederaufstieg des „FC Energie Cottbus“ in der Innenstadt aus nächster Nähe miterlebt.

Hallo Carina, kannst du nochmal für unsere LeserInnen kurz zusammenfassen, was ihr als „Cottbus schaut hin“ macht?

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, rassistisch motivierte Vorkommnisse, Angriffe etc. in Cottbus zu dokumentieren, aufzuarbeiten und zu veröffentlichen.

Was hast du nach dem Aufstieg von Energie Cottbus am vergangenen Sonntag als Nachbarin erlebt ?

Aus ursprünglicher Freude wurde – je später der Abend – eine Mischung aus Krawall & Gewalt. Im Minutentakt knallte es auf den Straßen, man hörte Fan-Gesänge und Gläser zerschellen. Auf dem Altmarkt eine Geräuschkulisse, wie sonst nur zu Stadtfesten – nur furchteinflößender. Natürlich gab es auch friedliche Fans, die den Aufstieg gebührend feierten, ohne Vandalismus zu betreiben. Besonders eingeschüchtert hat mich die Tatsache, dass die besagte Gruppe mit gewaltbereiten Fußballfans direkt die Konfrontation gesucht hat. So hörte man sie auf der Straße Dinge rufen wie: „Kommt raus, ihr Scheiß-Asylanten und holt euch, was ihr euch verdient habt!“

Ein Journalist der Potsdamer Neusten Nachrichten spricht von einem „Schweigekartell“ und einem „Klima der Angst“ unter den Fans. Wie schätzt ihr Vorgehen und Bedeutung der Energie-Hooligans ein?

Nach dem Aufstieg des FC Energie Cottbus in die dritte Bundesliga kam es am vergangenen Sonntagabend zu Ausschreitungen in der Cottbuser Innenstadt. Gegen 22.00 Uhr zogen ca. 30 – 40 Personen, scheinbar aus dem Hooligan-Spektrum von Energie stammend, durch die Innenstadt. Hierbei skandierten sie neben Fan-Gesängen auch rechtsradikale Parolen. Was diese Personen damit bewirken wollen ist klar: sie schüchtern ein, lenken die Aufmerksamkeit auf sich und signalisieren ganz klar, ihnen gehört die Stadt und sie haben Handlungsfreiräume.

Besonders ein Bild von der Aufstiegsfeier in der Cottbuser Innenstadt hat für viel Aufsehen gesorgt. Darauf sind offenbar Cottbus-Fans mit Ku-Klux-Klan-Kostümen zu sehen. Ist die Aufregung in Cottbus selbst auch so groß wie in der überregionalen Presse?

Nein, in Cottbus war das mediale Interesse nicht sehr groß. Der Aufstieg des FC Energie Cottbus hat dieses Ereignis zurücktreten lassen, medial sowie auf der Straße. „Cottbus schaut hin“ hat einen Beitrag mit besagtem Foto veröffentlicht, der Großteil der Kommentare war negativ. Man unterstellte uns, solch eine Berichterstattung würde den Aufstieg von Energie untergraben und die Fan-Szene von Cottbus über einen ‚rechten‘ Kamm scheren.

Im Januar ging zweimal in kurzer Folge ein Aufschrei durch die Cottbuser Öffentlichkeit, weil migrantische Jugendliche im Stadtzentrum in körperliche Auseinandersetzungen verwickelt waren. Ihr selbst habt einen Angriff gegen drei afghanische Flüchtlinge auf dem Nachhauseweg in der Silvesternacht bekannt gemacht. Könnt ihr seitdem ein offensiveres Vorgehen der lokalen Neonazi-Szene feststellen?

Die rechte Grundstimmung und die Anzahl rechtsradikaler Übergriffe war bereits vor dem Vorfall in der Silvesternacht auf seinem Zenit angelangt. Es sind dieser Vorfall und weitere, die dazu führen, dass Rassismus in Cottbus salonfähiger wird. Die Stimmung in Cottbus wird zunehmend aggressiver, die BürgerInnen sind verunsichert und verängstigt. Unter den Geflüchteten ist diese Ablehnung stark zu spüren. So haben sie Probleme, in einige Lokalitäten der Stadt Eintritt zu erhalten.

Also, was kann getan werden gegen das Cottbuser Nazi-Problem?

In jedem Fall müssen Vorfälle weiterhin benannt werden. Die CottbuserInnen sollten sich zusammenschließen, sich solidarisieren, die Augen offen halten und Zivilcourage zeigen.