Kassenärztliche Bundesvereinigung verlangt Gebühr für Notaufnahmen-Besuch – massive Kritik von Verbänden

„Bin ich schon krank genug?“ – Diese Frage könnten sich in Zukunft des öfteren Menschen selbst bei dem Verdacht auf einen Herzinfarkt  in Deutschland stellen. Denn die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) will in Zukunft eine Gebühr für jeden Besuch in der Notfallaufnahme verlangen. Dem niedersächsischen Landesverband schweben 50€ pro Patient vor. Nur wenn es sich dann tatsächlich um einen Notfall handelt, soll sie nicht erhoben werden. Verbände schlagen Alarm.

Zwei Drittel sind Notfälle

Laut einer repräsentativen Umfrage der Techniker Krankenkasse sahen Notärzte in rund 60% der Fälle einen akuten Handlungsbedarf. Bei einem Drittel hätte der Patient auch zum Arzt gehen können. Um dieses Drittel aus den überlasteten Notaufnahmen auszusortieren, sollen laut KBV Gebühren erhoben werden. „Eine finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde“, so Andreas Gassen, Vorsitzender der Vereinigung.

Arme Menschen besonders betroffen

Der Sozialverband Arbeiterwohlfahrt (AWO) geht davon aus, dass arme Menschen besonders betroffen sein würden: „Wir brauchen einen einfachen Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen ohne zusätzliche Gebühren“, so Vorstandsmitglied Brigitte Döcker. Es benötige „Arztpraxen mit verbesserten Öffnungszeiten, die es Patienten auch ermöglichen, nachmittags und während der Ferienzeiten einen Arzt aufzusuchen.“ Einer Studie zufolge suchten in Berlin 57 Prozent der Patienten vergeblich Hilfe bei einem niedergelassenen Arzt, bevor sie zur Notaufnahme gingen.

Verband reagiert

Nach bundesweiter Empörung ruderte der KBV bereits zurück. Voraussetzung für eine solche Regelung wäre ein verbessertes Notfallsystem in Deutschland – etwa durch eine bessere Lenkung der Patienten zwischen stationärer und ambulanter Behandlung sowie den Ausbau der Notfall-Hotline 116117. Die Forderung nach Notfallgebühren für Patienten, die keine „Notfälle waren“, sind jedoch noch nicht vom Tisch.