Istanbuler „Samstagsmütter“ fordern seit 700 Wochen Gerechtigkeit und Aufklärung für ihre verschwundenen Angehörigen

„Wir fordern unsere gewaltsam verschleppten Angehörigen zurück!“ – So lautet die Forderung, mit der die Samstagsmütter seit 700 Wochen ihren friedlichen Widerstand durchführen. Seit 23 Jahren kommen seitdem die Samstagsmütter, MenschenrechtlerInnen und UnterstützerInnen mit Fotografien von Hunderten Verschwundenen und Verschleppten zum Platz vor dem Galatasaray Gymnasium, dem geschäftigsten Ort in Istanbul, um mit diesem friedlichen Protest Wahrheit und Gerechtigkeit zu fordern.

Seit 1995 fordern vor allem die Mütter, Schwestern und Ehefrauen von in Gewahrsam genommenen Menschen, die nach ihrer Festnahme spurlos verschwanden, Aufklärung über den Verbleib ihrer Angehörigen.

Am 25. August 2018 findet der Protest der Samstagsmütter zum 700. Mal statt. In vielen Städten und vielen Ländern werden Solidaritätskundgebungen stattfinden. Der Protest der Samstagsmütter ist die am längsten andauernde Aktion zivilen Ungehorsams in der Geschichte der Türkei geworden.

Wie die „Mütter des Platzes der Mairevolution“ in Argentinien haben auch die Samstagsmütter in Istanbul mehrere Forderungen:

Sie wollen wissen, was mit ihren Angehörigen passiert ist, und sie wollen ihre Angehörigen zurück – tot oder lebendig. Mit dieser Forderung wird versucht, die geschehenen Menschenrechtsverletzungen im kollektiven Gedächtnis lebendig zu halten. Die zweite wesentliche Forderung betrifft die Feststellung der Täter und die strafrechtliche Ahndung der Verbrechen.

Am Samstag, 25. August 2018, werden in vielen europäischen Städten Menschen dem Aufruf der Samstagsmütter folgen und auf die Straße gehen.

In Deutschland sind Aktionen für Berlin, Köln, Hamburg, Frankfurt, Stuttgart, Rüsselsheim, Nürnberg, Mainz, Kiel, Braunschweig und Hannover geplant.
Außerdem sollen in Frankreich, der Schweiz, Österreich, Belgien, Holland, England, Schweden, Spanien, Schottland, Italien, Dänemark, Griechenland, Zypern, Kanada, Australien, Mexiko und Argentinien Aktionen stattfinden.