Ein Kommentar von Tim Losowski

Am 14. Juni begannen die rund 2.000 KollegInnen der Gießerei „Neue-Halberg-Guss“ in Saarbrücken und Leipzig ihren Streik und legten die Arbeit bis zum 30. Juli nieder. Obwohl es sich nur um ein Zulieferunternehmen handelt, mussten Riesenkonzerne wie „VW“, „Volvo“ oder „Deutz“ ihre Produktion bereits einschränken. Das zeigt: Globalisierung heißt nicht nur mehr Ausbeutung, sondern auch mehr Macht für die ArbeiterInnen.

Monatelang Streik

Der Kampf bei Neue-Halberg-Guss wird von den ArbeiterInnen mit starker Moral geführt. Anstatt sich einfach mit ihrer Entlassung abzufinden, sind sie in den Streik getreten. Damit wehrten sie sich gegen die Schließung des Werks in Leipzig mit 700 KollegInnen. Auch in Saarbrücken sollen hunderte Arbeitsplätze abgebaut werden. Deshalb kämpfen beide Belegschaften gemeinsam.
Die Ängste bei den ArbeiterInnen bei einem Arbeitsplatzverlust sind groß: „Dass ich keine Arbeit mehr finde, von der ich leben kann“, sieht eine Kollegin als reale Gefahr. Und „dass ich meine Miete nicht mehr zahlen kann. Dann muss ich aus meiner Wohnung raus.“

Alle Räder stehen still …

Aktuell ist der Streik zur Schlichtung unterbrochen, doch vom 14. Juni bis zum 30. Juli hatten die ArbeiterInnen fast 6 Wochen gekämpft. Der wochenlange Streik hatte bereits massive Auswirkungen über die betroffenen Unternehmen hinaus gehabt:

  • Der Motorenbauer Deutz klagte über die Gefahr eines Produktionsstopps. Davon wären dann auch weitere Unternehmen betroffen. Zusammen haben sie sogar eine panische Zeitungsanzeige geschaltet, in der sie Management, Gewerkschaft und Politiker aufforderten, dem „Wahnsinn“ ein Ende zu setzen.
  • VW und Opel mussten ihre Werksferien vorziehen oder Produktionspläne ändern.
  • Volvo gab bekannt, dass seine Produktion durch den Streik in den nächsten Quartalen gestört würde.

… wenn dein starker Arm es will.

Diese Beispiele zeigen, wie bereits ein relativ kurzer Streik in kleineren Unternehmen von einigen hundert Personen in Zeiten der Globalisierung Auswirkungen auf ganze Weltmonopole wie VW oder Volvo haben kann.

Sie zeigen uns, dass wir ArbeiterInnen mehr Macht haben als wir vielleicht glauben! Und diese Macht wächst sogar, je mehr international produziert wird und je komplizierter die Produktionsketten werden. Denn das macht sie auch anfällig für kleinste Störungen.

Das erwies sich auch bei dem Produktionsstopp in den zwei Zuliefererfirmen „ES Automobil Guss“ und „Car Trim“. Sie boykottierten Lieferungen an VW, um mehr Geld raus zu schlagen. Da VW von der spezialisierten Zulieferung jedoch abhängig war, musste das Riesenunternehmen die Produktion für einige Wochen stilllegen.
Ein ähnliches Beispiel für die gewachsene Macht von Belegschaften sind die wilden Streiks der spanischen Fluglotsen 2010. Damals musste die Regierung sogar das Militär einsetzen, um die kapitalistische Produktion am Laufen zu halten.

Unsere Macht nutzen

Auch wenn uns täglich eingetrichtert wird, man könne „ja eh nichts ändern“, beweisen die genannten Kämpfe das Gegenteil. Sie zeigen, dass bereits eine kleine streikbereite Belegschaft massiven Druck ausüben kann – wenn sie an besonders wichtigen Knotenpunkten in der Produktion sitzt.
Doch damit wir unsere Macht voll entfalten können, benötigt es Organisationen, die konsequent für unsere Interessen einstehen. Leider tun dies Gewerkschaften wie die IG-Metall nicht genug. Bei Halberg-Guss kämpfen sie zum Beispiel nur für höhere Abfindungen und eine Transfergesellschaft. Dabei müsste der Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze im Vordergrund stehen! Die Belegschaft hat mit ihrem Streik bereits bewiesen, dass Kampfbereitschaft da ist.

Organisierung aufbauen

Mit einer kommenden Wirtschaftskrise werden wir solche Entlassungswellen wie bei Halberg-Guss noch viel öfter erleben. Es kommt deshalb darauf an, uns jetzt mit unseren KollegInnen zusammenzuschließen. Gemeinsam können wir die Organisationen schaffen, die in der Lage sind, unsere Interessen und Rechte zu erkämpfen.