Martin Klamper hat im Irak und Syrien gegen den „Islamischen Staat“ gekämpft. Nun ist er zurück in Deutschland und wird von den deutschen Behörden als Terrorist verfolgt.

Vor kurzem bist du von einem längeren Auslandsaufenthalt wieder nach Deutschland zurück gekommen. Wie wurdest du hier empfangen?

Am Flughafen wartete schon die Polizei auf mich. Bei der Passkontrolle wurde ich abgefangen und musste zwei Beamte zur Wache begleiten. Nach stundenlangem Sitzen und Warten auf der Flughafenwache sollte ich dann schließlich einem Beamten folgen, der zur Kriminalpolizei gehörte.

Dort durchsuchte man mein Gepäck und fand dort YPG-Patches, die ich mit mir führte. Das sahen sie dann als Beweis, dass ich Mitglied der YPG gewesen sei. Danach musste ich meinen Pass, meinen Personalausweis und Handy abgeben, alles wurde beschlagnahmt. Man sagte mir, dass ich nun aufgrund des Paragraphen 127 der Strafprozessordnung (vorläufige Festnahme bei Gefahr im Verzug oder auf frischer Tat getroffen) vorläufig festgenommen würde. Der Tatvorwurf gegen mich lautete, dass ich Mitglied in einer terroristischen Organisation im Ausland nach Paragraph 129b sein soll.

Wie geht es nun für dich weiter?

Später wurde ich wieder freigelassen. Nun bin ich von einem Ausreiseverbot betroffen, denn ich habe weder einen Pass und noch Ausweis, und ohne die kann ich kann ich nirgends hin. Ein Anwalt ist bereist eingeschaltet, und jetzt heißt es für mich einfach abwarten bis auf weiteres. Ohne Ausweis kann ich zudem in Deutschland nicht anfangen zu arbeiten.

Wie lange warst du im Ausland und was hast du dort gemacht?

Ich war insgesamt 13 Monaten dort unten. Die meiste Zeit war ich in der Region Shengal im Nordirak, dort gehörte ich zur YBS, den Widerstandseinheiten Shengals und kämpfte gegen den „Islamischen Staat“. In meiner Zeit in Rojava habe ich zudem mitgeholfen, Raqqa vom „Islamischen Staat“ zu befreien, sowie Afrin vor der türkischen Invasion zu verteidigen. Außerdem war ich auch an den Operationen in Deir ez-Zor beteiligt, wo sich noch die letzten Kämpfer des „Islamischen Staats“ befinden.

Wie würdest du im Rückblick deine Zeit in Rojava und Shengal bewerten?

Es war die beste Zeit meines Lebens.

Was hat dich motiviert, nach Rojava und Shengal zu gehen und dort zu kämpfen?

Es gab viele Faktoren. Angefangen hat das mit den ganzen „Daesh Videos“, die auf Facebook zu sehen waren.

Ich war früher bei der Bundeswehr und im Auslandseinsatz, da habe ich gesehen, dass die Einsätze der Bundeswehr keinen Sinn machen und ich viel mehr tun müsste, um den Menschen zu helfen. Ich war damals bei der Operation „EUNAVFOR MED“ (Operation Sophia) beteiligt und half dort, Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. Dieser Einsatz war so, als ob man die Spitze eines Eisberges bekämpft und den Rest ignoriert. Die Fluchtursachen sind jedoch viel tiefer verankert und der „Islamische Staat“ zählt auch dazu.