Hannoveraner stirbt nach Polizeieinsatz. Staatsanwaltschaft nimmt keine Ermittlungen auf.

Am vergangenen Samstagabend endete ein Polizeieinsatz in Hannover-Langenhagen mit dem Tod eines 39-Jährigen. Laut Polizeiangaben sei diese gerufen worden, da der Mann Autos beschädigt haben sollte. Als die Polizei vor Ort mit einem Streifenwagen eintraf, soll er mit einer Eisenstange auf den Einsatzwagen eingeschlagen und mit Steinen geworfen haben.

Um den Mann außer Gefecht zu setzen und festzunehmen, setzten die Beamten Pfefferspray ein. Der 39-Jährige sackte daraufhin bewusstlos zusammen und musste unter Reanimationsmaßnahmen ins Krankenhaus gebracht worden. Dort verstarb er am Sonntagmorgen (Link).

Die Nutzung von Pfefferspray gilt seit langem als äußerst umstritten. Bereits seit 1972 ist es als biologische Waffe für den Einsatz in internationalen militärischen Konflikten und konventionellen Kriegen verboten – in Deutschland wird es alltäglich von der deutschen Polizei eingesetzt.

Laut dem zuständigen Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gebe es keinen Anfangsverdacht für ein Fehlverhalten der Polizisten. Deshalb sei auch kein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden: „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass etwas schiefgelaufen sein könnte.“

Schon lange ist bekannt, dass Pfefferspray in Wechselwirkung mit zahlreichen Krankheiten, Drogen oder Medikamenten lebensgefährlich ist und zum Tod führen kann. Eine Statistik, wie viele Menschen in den letzten Jahren in Deutschland an den Folgen von Pfefferspray gestorben sind, gibt es allerdings nicht. Nicht einmal der Verbrauch von Reizmitteln der Polizei wird in Deutschland statistisch erfasst.

Dass die Staatsanwaltschaft in Hannover kein Ermittlungsverfahren einleitet, hält der Professor für Kriminologie an der Ruhr-Universität Bochum, Thomas Feltes, für einen großen Skandal. Es sei eine „sehr falsche Ausrede“ der Staatsanwaltschaft, erst die Obduktion abzuwarten, bevor sie Ermittlungen einleite und beginne Beweise zu sichern. „Das nicht zu tun, ist ein geeignetes Mittel, um Beweise zu vertuschen“, so Feltes (Link).