Leidtragende der Wohnungsnot haben sich vernetzt, um nun Häuser in Berlin zu besetzen

Das Stadtbild der Hauptstadt Deutschlands ist von Wohnungslosigkeit geprägt, und das, obwohl lange nicht jede/r Wohnungslose auf der Straße schläft. In Berlin sind die BürgerInnen besonders heftig betroffen von rasant steigenden Mieten und Gentrifizierung, mehr als 20.000 Menschen haben dort keinen Wohnsitz, unzählige können sich nach der Mietzahlung kaum noch etwas leisten. Gleichzeitig stehen auf sogenannten „Spekulationsgrundstücken“ massenhaft Immobilien leer, das ist zwar per Gesetz verboten, dennoch häufig zu beobachten.

Einigen BerlinerInnen war das ein Dorn im Auge. Bereits im Mai hatte eine Gruppe von Aktiven der Initiative #besetzen einen „Herbst der Besetzungen“ angekündigt. „Und wenn man halt merkt, Leute ziehen in Hostels, ziehen in Kleingartenanlagen, dann denkt man sich halt so: Ok, das kann halt einfach nicht sein.“, so wird die 54-jährige Krankenpflegerin Anna im Deutschlandfunk zitiert. Sie ist eine von denen, die am 8. September den Stein zum „Herbst der Besetzungen“ ins Rollen gebracht hat und das erste Haus in der Großbeerenstraße besetzen.

Hohe Akzeptanz

Die „Hausprojektgruppe“, die nun die Großbeerenstraße 17A bewohnt, erfreut sich in der Nachbarschaft großer Beliebtheit. Mit rund zehn Zwangsräumungen täglich in Berlin ist für viele AnwohnerInnen wohl nicht nachvollziehbar, warum die Gebäude leer stehen sollten. Bereits im Frühjahr waren Zehntausende auf Berlins Straßen, um gegen „Mietenwahnsinn“ zu demonstrieren. Zu einer Diskussionsveranstaltung im besetzen Haus kommen rund 100 Menschen und informieren sich gegenseitig.

Derzeit gibt es einen Zwischennutzungsvertrag bis zum 14. Oktober mit der Eigentümerin, der Aachener Siedlungs-GmbH. Die BesetzerInnen wollen erwirken, die Räume danach für einen sozialen Zweck nutzbar zu machen – und weiterhin durch Besetzungen die Bewohnbarkeit von Leerstand erkämpfen.