Die Türkei greift erneut die kurdische Autonomieregion Rojava an. Die kurdischen Streitkräfte beendeten daraufhin ihre aktuelle Offensive gegen den IS. International kam es am Welt-Kobane-Tag zu Protestaktionen.

Noch am 27. Oktober wurde beim Istanbuler Vierergipfel über eine „Lösung“ und „Zukunft“ für den Krieg in Syriens debattiert. An dem Gipfel nahmen die Türkei, Deutschland, Frankreich sowie Russland teil. Doch schon kurz darauf begann der türkische Staat mit seinen Angriffen auf die kurdische Selbstverwaltungsregion (Rojava) im Norden Syriens.

Seit Samstag soll es zu mindestens sieben Angriffen gekommen sein. Dabei foukssierte sich die türkische Armee vor allem auf die umliegenden Dörfer von Kobanê und Girê Spî (Tall Abyad). Sie soll dabei auch mit schweren Maschinengewehren des Typs Dschk vorgegangen sein.

Türkische Unterstützung für den IS

In Kobanê wurden im Jahr 2014 der Islamische Staat von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) entscheidend geschlagen. Dass nun Kobane erneut angegriffen wird – jedoch von der Türkei – sehen die kurdischen Streitkräfte als direkte Unterstützung für den Islamischen Staat.

 

Dazu erklärt der Nationalkongress Kurdistan (KNK): „Die Angriffe sind koordiniert, denn parallel zum türkischen Staat greift der IS das Gebiet Hajin bei Deir ez-Zor an. In dieser Zeit der Endphase der Offensive zur Beendigung des Terrors greift der türkische Staat nun Rojava an.“

Kurden unterbrechen Offensive gegen IS

Die von den YPG/YPJ geführten Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) hatten am 1. September mit einer Offensive auf die letzte IS Hochburg begonnen. Diese Offensive wurde unterbrochen. Sie fordern vor einer Wiederaufnahme der Kämpfe eine Stellungnahme der „internationalen Koalition gegen den Islamischen Staat“. Sie sollen erklären, weshalb sie die kurdischen Streitkräfte zwar beim Kampf gegen den IS unterstützen, jedoch nicht reagieren, wenn diese von der Türkei angegriffen werden.

Internationale Proteste

Die Angriffe vielen zusammen mit dem Welt-Kobane-Tag, an dem am 1. November jedes Jahr tausende Menschen auf die Straße gehen. In der Türkei wurden zahlreiche Presseerklärungen und Kundgebungen von der Demokratischen Partei der Völker (HDP) organisiert. In Rojava sind Tausende dem Aufruf des Jugendverbands Rojava (YCR) gefolgt und haben gegen die Angriffe protestiert. Auch in Europa zeigte sich in vielen Kundgebungen die Solidarität mit der kurdischen Autonomieregion. Hier kam es ebenfalls bereits am 31. Oktober zu vielen spontanen Kundgebungen in mehreren Städten.