Am 24. Dezember, dem „Heiligen Abend“, wird in christlich geprägten Ländern und Familien das „Fest des Friedens und der Nächstenliebe“ gefeiert. Woran wir uns an diesem Datum noch erinnern sollten ist der „Weihnachsfrieden“ von 1914 . – Ein Kommentar von Max Rose

Im Dezember 1914 widersetzten sich Soldaten ihren Offizieren und setzten ein Zeichen des Friedens. Sie zeigten, dass dies nicht ihr Krieg war! Dass sie alle Brüder sind, die von den Herrschenden, den Generälen und Großprofiteuren in diesen Krieg gezwungen wurden. Erinnern wir uns heute an ihre Geschichte, lasst uns von dem Mut der Soldaten lernen und gemeinsam gegen den Krieg, für Frieden und Wohlstand kämpfen.

1914: Der erste Weltkrieg

Sowohl an der deutschen West- als auch an der Ostfront ziehen sich durchs ganze Land Schützengräben. Es ist kalt, der Boden matschig. Die Soldaten auf allen Seiten leiden an Krankheit, Hunger, Heimweh. Man hatte ihnen versprochen, Weihnachten wieder zuhause zu sein – mit großen Gewinnen. Man versprach ihnen ein besseres Leben, einen Platz an der Sonne. Viele glaubten diesen Versprechungen, wollten ihnen glauben, auch für ihre Familien.

Doch am 24.12.1914 lagen sie immer noch in den Gräben. Sie hatten ihre Kameraden neben sich fallen gesehen, weniger durch den feindlichen Beschuss als durch Erfrieren, Verhungern oder durch Krankheiten. In dieser Zeit des Krieges, der größten Not der arbeitenden Bevölkerung, die zu einem Krieg gegeneinander aufgehetzt wurde, zu einer Zeit der Entbehrung, speisten in Deutschland und allen anderen beteiligten Ländern die Kriegsprofiteure, die Banker, Fabrikanten und Generäle von goldenen Tellern den besten Braten – während ihre Propaganda immer weiter gegen den angeblichen Feind, den Franzosen, den Russen, den Engländer und den Deutschen hetzte. Doch in den Gräben erreichte diese Propaganda keinen, denn die Soldaten waren damit beschäftigt, den Frost und den Hunger zu überleben. Der deutsche Kaiser übersandte seinen Soldaten als Weihnachtsgeschenk Zigaretten. Doch Zigaretten kann man nicht essen.

Die Soldaten waren es leid einen Krieg zu führen, der ihnen nichts nutzte. Einen Krieg zu führen, der nur den Gewinn einiger Weniger vermehrte, während sie ihr Leben dafür geben mussten. Das zeigte sich dann am Heiligen Abend 1914: Am Heiligen Abend erklang auf den Schlachtfeldern ein Lied. Es war ein Lied gegen Hunger, Not und Krieg. Es erklang aus den Schützengräben und auf dieses Lied folgte die mutigste Tat des gesamten Krieges: Einige Posten verließen den Schutz der Gräben, unbewaffnet und mit erhobenen Händen – und auf halben Weg trafen sich die Menschen, welche sich zuvor noch als feindliche Soldaten beschossen hatten.

Sie reichten einander die Hand, umarmten sich und feierten gemeinsam Weihnachten.
Sie teilten das wenige Essen, das sie hatten, Familienfotos. Ein französischer, ehemaliger Frisör rasierte mit einer scharfen Klinge einem Deutschen den Bart, demselben Mann, auf den er vorher noch schießen sollte. Eine der viele kleinen Gesten, die ein Schritt in Richtung Frieden hätten sein können. Doch dann erfuhren die Generäle davon und peitschten die Soldaten mit Gewalt zurück in die Gräben. Obwohl sich Einige widersetzten und an einem Frontabschnitt der „Frieden“ bis Ende Januar hielt, ging das grausame Morden im Interesse der Herrschenden weiter.

Und heute?

Auch heute noch verdrehen faschistische Organisationen und Parteien wie die AfD oder die Identitäre Bewegung die wahren Gründe, wer wirklich schuld ist an unserem Leid, an unserem Elend. Sie schieben es auf Flüchtlinge, auf den Islam oder auf die Juden. Sie verteidigen kriegstreiberische, kapitalistische und nationalistische Staaten. – Lasst sie nicht länger gewähren! Wir brauchen die Einheit unter den Menschen, wir brauchen Friede unter den Völkern, denn ihre Kriege nützen uns nichts!

Und rüsten die Länder der Welt erneut zu einem Krieg – dann lasst uns von dem Weihnachtsfrieden lernen und uns die Gewehre nicht gegen unsere Geschwister richten, sondern gegen den Feind. Lasst uns die Fabrikanten und die Konzerne, die uns und unsere Lebensgrundlage zerstören, enteignen und eine Welt schaffen, in der wir und unsere Kinder und alle nachfolgenden Generationen in Frieden und Freundschaft, in Menschlichkeit leben können.

Lasst uns an diesen Weihnachtstagen des großen Muts und der Leistung der Soldaten von 1914 gedenken, die mitten im Krieg einen kurzen Frieden schufen. Lasst uns von ihren Fehlern und Erfolgen lernen und diesen Frieden in unseren Herzen ankommen, damit wir nicht vergessen, wofür wir kämpfen.

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