Die Top-Managerin des chinesischen Technologiekonzerns ist auf Betreiben der USA in Kanada festgenommen worden. Ihr drohen 30 Jahre Haft in den USA. Der Fall gilt als neue Eskalation im Handelskonflikt zwischen beiden Staaten.

Meng Wanzhou ist die Finanzchefin des chinesischen Technologieunternehmens Huawei und die Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei. Bereits am vorletzten Samstag haben kanadische Behörden sie auf Bitten der USA in Vancouver festgenommen. Am selben Tag haben Chinas Staatschef Xi und US-Präsident Trump beim G20-Gipfel in Buenos Aires über eine Deeskalation im Handelskonflikt zwischen beiden Ländern verhandelt – und nach eigenen Angaben eine vorläufige Übereinkunft erzielt, die jedoch von Beobachtern als wenig konkret eingeschätzt wird.

Der Anlass der Festnahme Mengs ist laut US-Ermittlern der Verdacht, die Managerin habe über eine Firma namens „Skycom“ Geräte in den Iran verkauft – und damit gegen die US-Sanktionen gegen das Land verstoßen. Die USA wollen diese Sanktionen „extraterritorial“ , d.h. auch außerhalb der eigenen Staatsgrenzen umsetzen und machen daher seit Monaten Druck auf ausländische Firmen, die mit dem Iran in geschäftlichen Verbindungen stehen. Davon sind auch viele europäische Unternehmen betroffen. Die USA fordern die Auslieferung Mengs. Im Falle einer Verurteilung drohen ihr 30 Jahre Haft (Link).

Nach Einschätzung von Andrew Collier, Geschäftsführer des China-Forschungsunternehmens „Orient Capital Research“ bringe der Vorfall China in eine Zwickmühle: „Nachgiebigkeit könnte als Schwäche ausgelegt werden, Härte könnte die Gespräche (mit den USA, A.d.R.) gefährden“, so Collier gegenüber dem Handelsblatt. Die Zeitung bezeichnete die Festnahme Mengs am Freitag als „explosive Wende im großen Technologie-Wettlauf“. Routinemäßig forderten die USA Verbündete zur Auslieferung von Drogenbaronen, Waffenhändlern und anderen Kriminellen auf. Die Verhaftung einer chinesischen Topmanagerin sei ein anderes Kaliber. Huawei habe sich seit seiner Gründung zu einem Vorzeigekonzern entwickelt, der die technologische Auf- und Überholjagd Chinas repräsentiere. Das Unternehmen sei aber von US-Bauteilen abhängig und damit erpressbar. Der Handelskonflikt wiederum, in dessen Zusammenhang Mengs Verhaftung gesehen werden müsse, sei ein Puzzle-Stück in einer langfristigen Anti-China-Strategie der US-Regierung.

China reagierte mit der Einbestellung der Botschafter Kanadas und der USA. Der Fall sei „extrem abscheulich“, teilte das chinesische Außenministerium mit und drohte mit Konsequenzen. Weitere Maßnahmen seien abhängig vom Verhalten der USA.

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