In Doire gab es in der Nacht eine Explosion, mutmaßlich durch eine Autobombe verursacht. Es wird ermittelt, ob es sich um einen Anschlag mit politischem Hintergrund handelt.

In der Nacht auf Sonntag gab es eine schwere Explosion in der Bishop Street im nordirischen Doire, das von britischer Seite „Londonderry“ genannt wird. Die Polizei räumte gerade die Straße, da sie kurz zuvor eine Warnung erhalten hatte, als die Explosion los ging. Im Moment wird ermittelt, ob es sich um einen Anschlag durch eine Autobombe handelte. Laut den Behörden gab es keine Verletzten oder Toten.

The Irish Times, eine irische Zeitung, berichtet, dass ein Pizza-Lieferservice-Auro in der Straße explodiert ist. Der Wagen soll kurze Zeit vorher in Doire gestohlen worden sein. In der Straße befanden sich ein Hotel, ein Seniorenheim und ein Gerichtsgebäude. Die Behörden sperrten das Gebiet weiträumig ab und untersuchten einen weiteren verdächtigen Wagen, mittlerweile haben zwei Festnahmen stattgefunden.

Politiker in Aufruhr

„Eine terroristische Autobombe, die darauf abziele, Nordirland wieder in Gewalt und Konflikte hinabzuziehen“, das twitterte Simon Coveney, der irische Außenminister. Auch ein nordirischer Parlamentsabgeordneter, Gary Middleton, bezeichnete das Geschehen als einen „Rückschritt in die Vergangenheit“.

Ob es sich tatsächlich um eine Autobombe handelt oder es einen politischen Hintergrund gibt, kann die Polizei im Moment noch nicht bestätigen. Zahlreiche Medien haben Parallelen gezogen zu Anschlägen der IRA (Irish Republican Army), da diese ebenfalls Autobomben eingesetzt hat.

Politische Situation angespannt

Die aktuellen Verhandlungen rund um den Brexit sorgen für eine angespannte politische Situation in Nordirland. So könnte es bei einem „Chaos-Brexit“ erneut zu einer harten Grenze zwischen Nordirland – das offiziell zu Großbritannien gehört – und der Republik Irland, die weiterhin zur EU gehört, kommen. Das könnte den irischen Kampf um Unabhängigkeit und Vereinigung von Nord- und Südirland wieder befeuern. Dieser war mit dem „Karfreitagsabkommen“ von 1998 vorerst beendet worden.

Doire war in der Vergangenheit ein zentraler Schauplatz der Konflikte in Irland. In dieser Stadt ereignete sich im Januar 1972 der „Bloody Sunday“, der im Nachhinein so genannt wurde, da eine Demonstration für Bürgerrechte und die Unabhängigkeit Irlands von britischen Soldaten mit teils tödlichen Schüssen zerschlagen wurde.

*Update 21:34: Wir haben den Namen der Stadt zum korrekten irischen Namen Doire aktualisiert.

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