Am Donnerstag besuchte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren griechischen Amtskollegen Alexis Tsipras. Währenddessen protestierten hunderte Linke gegen den Besuch. Sie machen die Bundesregierung für die harten Sparprogramme verantwortlich, die Griechenland in den vergangenen Jahren durchführen musste.

Um Demonstrationen zu erschweren, waren Kundgebungen auf dem zentral gelegenen Syntagma-Platz untersagt worden. Dennoch versammelten sich rund 700 Personen, um gegen den Besuch der deutschen Kanzlerin zu protestieren. Als sie in Richtung Regierungsviertel zogen, hinderte die Polizei die DemonstrantInnen daran, weiterzugehen. Daraus entwickelten sich handfeste Auseinandersetzungen. Videos zeigen, wie Protestierende mit roten Fahnen auf Polizisten und Polizeiwagen einschlagen. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein.

Bei seinem Treffen mit Kanzlerin Merkel präsentierte Ministerpräsident Tsipras von der Partei „Syriza“ sein Land stolz: „Heute kommen Sie in ein völlig anderes Griechenland, das Wachstum erzielt“, so Tsipras. Er und seine Partei waren ursprünglich gewählt worden, um die rigorosen Sparmaßnahmen, welche die Troika aus IWF, EZB und Europäischer Komission Griechenland im Zuge der Schuldenkrise seit 2009 auferlegte, abzuwehren. Doch auch nach einer griechischen Volksabstimmung gegen die Sparauflagen löste die Partei ihre Versprechen nicht ein und führte im Gegenzug zu EU-Krediten massive Sozialkürzungen in Griechenland durch.

Am 20. August letzten Jahres endete das letzte „Hilfsprogramm“ für Griechenland, nun muss der griechische Staat sich und seine Schulden selbst finanzieren. Das Land steht nach acht Jahren erzwungener „Reformen“ katastrophal da: Die griechische Wirtschaft ist um 35% geschrumpft, die Staatsverschuldung hat sich um 75% erhöht. Die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt, während das durchschnittliche Einkommen um durchschnittlich ein Drittel sank. Die Aufwendungen für den griechischen Sozialstaat sind insgesamt um rund 70% gekürzt worden.