Seit dem 7. Februar protestieren die Menschen in Haiti gegen den Präsidenten Jovenel Moïse, gegen Korruption und die USA. Bei den Auseinandersetzungen gab es bereits mehrere Tote.

Bereits seit vergangenem Sommer hat die Bevölkerung in Haiti immer wieder zu Tausenden ihren Protest gegen die Regierung auf die Straße getragen. Gerade der ärmere Teil und die ArbeiterInnen richten sich gegen die US-hörige Politik und fordern den Abzug aller US-Truppen und Berater aus dem Land. Brennende USA-Fahnen sind daher kein seltener Anblick bei den Protesten gegen die Korruption der Regierung auf den Straßen von Port-au-Prince, der haitianischen Hauptstadt.

Korruption und Aufstand

Bisher wurden die Proteste immer relativ schnell durch die Regierung eingedämmt, doch seit dem 7. Februar strömen die Menschen aus den Armenvierteln wie Cité Soleil auf die Straßen der Hauptstadt und errichten Barrikaden, zerstören Banken und andere Finanz- und Wirtschaftseinrichtungen (Link).

Ihre Forderungen dehnen sich über den sonst für Haiti üblichen Rahmen aus. Nun fordern die wütenden BürgerInnen nicht mehr nur den Abzug aller US-Truppen und den Rücktritt der US-orientierten Regierung, sondern auch Demokratie und wirtschaftliche Souveränität.

Die Polizei reagiert mit massiver Gewalt gegen die DemonstrantInnen. Diese antworten ihrerseits mit Steinwürfen und brennenden Banken und Barrikaden. Das rücksichtslose Vorgehen der Polizei sorgte seit dem 7. Februar für mindestens neun Tote.

Vorangegangen ist diesem neuen Ausmaß der Proteste, dass große Teile der Regierung hunderte Millionen US-Dollar aus einem Hilfsfond für die Karibik-Staaten unterschlagen und in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Daran sollen unter anderem 15 Minister der aktuellen und der Vorgängerregierung beteiligt gewesen sein. Auch den aktuellen Präsidenten Moïse belasten diese Vorwürfe schwer. Moïse selbst ist Großunternehmer, auch im Geschäft mit Bananen. Zudem gibt es den Vorwurf der Veruntreuung von drei Milliarden Euro, die 2010 für den Wiederaufbau von Haiti nach einem verheerenden Erdbeben zur Verfügung standen (Link).

Die Jugend will eine Zukunft

Gerade in einem Land wie Haiti, in dem über 50% der Einwohner unter 24 Jahre alt ist, scheint die Forderung nach einer Zukunft für die Jugend mehr als nachvollziehbar. Entsprechend sind auch gerade die jungen Leute die aktivste Kraft auf der Straße, die immer wieder zu neuen Protesten aufruft.

Haiti gilt als eines der ärmsten Länder der Welt. Massenarbeitslosigkeit und eine hohe Inflationsrate bestimmen neben massiver Korruption und einer immensen Gewaltkriminalität das Leben der Menschen dort.