Petrit studiert Soziologie und ist Mitglied im „Studierenden Kollektiv Wuppertal“. Wir haben mit ihm über den Kampf der Studierenden der Soziologie für bessere Studienbedingungen gesprochen.

Was ist das „Studierenden Kollektiv“?

Zusammen mit ein paar politisch interessierten Studierenden haben wir Ende letzten Jahres das Studierenden Kollektiv Wuppertal gegründet. Das Kollektiv stellt eine Organisation dar, die von Studierenden selbst organisiert wird und keinem universitären Gremium unterstellt ist.

Dadurch sind wir unabhängig und können uns erlauben kritisch zu sein, was man vom AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) oder den Hochschulgruppen der Parteien nicht behaupten kann. Von denen hört man allenfalls etwas, wenn wieder Wahlen der Hochschulgremien anstehen. Wenn es aber konkrete Probleme der Studierenden gibt, können wir uns nicht wirklich auf sie verlassen. Das sehen wir auch jetzt bei ‚der Schranke‘.

Was genau ist denn „die Schranke“?

Die Schranke ist eine bürokratische Beschränkung, die vielen von uns das Studium verkompliziert. Die Studierenden der Soziologie dürfen sich für bestimmte Prüfungen erst anmelden, wenn sie alle Prüfungen aus dem Grundlagenbereich erfolgreich abgeschlossen haben.

Diese Schranke soll dafür sorgen, dass wir geradlinig unser Studium abschließen und schnellstmöglich auf den Arbeitsmarkt geworfen werden. Sie ist aber in der Praxis nur eine Behinderung für unser Studium. Das haben unsere ProfessorInnen letztes Jahr auch eingesehen und die Schranke für viele aufgehoben. Nun wurde diese Aufhebung aber zurückgenommen, was jetzt dazu führt, dass viele von uns dieses Semester nur sehr wenige Prüfungen ablegen dürfen, obwohl wir das ganze Semester in den entsprechenden Vorlesungen und Seminaren saßen. Daraufhin organisierten sich die Betroffenen, was wir gut fanden und uns beteiligten.

Mit wem seid ihr im Gespräch?

Das Problem mit der Bürokratie ist, dass jeder die Schuld von sich weist und niemand wirklich die Verantwortung übernehmen möchte. Letztendlich liegt es aber am Prüfungsausschussvorsitzenden Herrn Dr. Lutter, der uns vor einem Jahr schon die Aufhebung der Schranke erteilt hat und sie jetzt wieder durchsetzen könnte. Wir haben auch zusammen mit unserer Fachschaft eine Petition mit rund 190 Stimmen eingereicht, welche allerdings auf taube Ohren gestoßen ist. An den AStA der Uni und einzelne Hochschulgruppen haben wir uns auch gewandt, jedoch hatten die kein Interesse uns zu helfen. Die Studierenden müssen die Sache selbst in die Hand nehmen, weil keiner ihrer ‚offiziellen VertreterInnen‘ es für sie tut.

Was sind die nächsten Schritte?

In der kommenden Woche soll es wieder Gespräche zwischen den ProfessorInnen und den Studierenden geben, an welchen wir uns auch beteiligen und klar Position gegen die Schranke beziehen werden. Uns ist aber wichtig, dass die Aktivität der Studierenden nach der Entscheidung für oder gegen die Schranke nicht wieder abebbt. Ohne den Zusammenschluss der Studierenden wäre die Sache einfach unter den Teppich gekehrt worden, so wie es mit vielen gesellschaftlichen Problemen passiert. Wir wollen eine politische Kultur an der Uni etablieren, die von unten kommt und sich traut, über den Tellerrand der Universität hinauszuschauen. Schließlich gibt es noch unzählige brennende Probleme in der Gesellschaft, die keine der bürgerlichen Parteien und Vertretungen imstande ist zu lösen.