Gestern sollen aus Seenot gerettete Geflüchtete einen türkischen Tanker gezwungen haben, sie nicht zurück nach Libyen, sondern in Richtung Malta zu bringen.

Am Dienstagabend hat das türkische Tankschiff „El Hiblu 1“ 108 Menschen in den internationalen Gewässern vor Libyen aus Seenot gerettet. Daraufhin fuhr das Schiff in Richtung libyscher Küste, änderte jedoch rund sechs Seemeilen vor der Küste seinen Kurs abrupt in Richtung Norden, auf die Küste von Malta zu.

Laut Angaben von italienischen und maltesischen Behörden hätten die geretteten Flüchtlinge die Besatzung dazu gebracht, den Kurs zu ändern und sie nach Malta zu bringen. Dadurch wollten sie eine Rückkehr nach Libyen verhindern.

In Libyen erwarten die Geflüchteten willkürliche Inhaftierungen, Folterungen, sexualisierte Gewalt, Entführungen, Erpressungen und Sklaverei. Manche BeobachterInnen sprechen sogar von libyschen „Konzentrationslagern“.

Nachdem das Schiff am Donnerstagmorgen noch rund 30 Seemeilen von Malta entfernt war, sollen Spezialeinsatzkräfte der maltesischen Armee zum Einsatz gekommen sein und die Gewalt über das Handelsschiff übernommen haben. Mittlerweile ist das Schiff in Malta angekommen, alle Menschen sind von Bord gegangen.

Gewalttätige Piraten? …

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Partei Lega bezeichnete die Flüchtlinge am Mittwoch als Piraten. Auch die maltesischen Behörden sprechen von einem „auf See überfallenen Schiff“.

… Oder verzweifelter Akt der Selbstverteidigung?

Die deutsche zivile Notrettungsorganisation Sea-Watch sieht in dem Handeln der Flüchtlinge hingegen ein legitimes Selbstverteidigungsrecht gegen die tödliche europäische Grenzpolitik:

„Es ist bekannt, dass die Lage für Flüchtende, die nach Libyen zurückgebracht werden, mitunter lebensbedrohlich ist. Dass die Geretteten alles versuchen, um dem zu entkommen, ist mehr als verständlich. Was gestern passiert ist, war Notwehr gegen die tödlichen Folgen Europäischer Grenzpolitik, die Verantwortung dafür tragen die Europäischen Regierungen.“, sagt Johannes Bayer, Vorsitzender von Sea-Watch zu den aktuellen Geschehnissen.

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