Seit Donnerstag hält ein Stromausfall in Teilen Venezuelas an. Die Regierung von Nicolás Maduro spricht von einem Cyberangriff – westliche Großmächte und der Putschist Guaidó sprechen von Misswirtschaft. Derweil laufen die Vorbereitungen für einen großen Protestzug zum Sturz des Präsidenten. Die Ereignisse zeigen Parallelen zum Putsch gegen den linken Präsidenten Salvador Allende im Jahr 1973 in Chile.

Am Donnerstag kam es zu einem fast totalen Stromausfall in Venezuela. Das Simón-Bolivar-Wasserkraftwerk im Teilstaat Bolívar am Guri-Staudamm lieferte keinen Strom mehr. Seit Samstag konnte er in verschiedenen Teilen des Landes – insbesondere den Hauptstädten – langsam wiederhergestellt werden. Doch bis heute steht die Metro in der Hauptstadt Caracas still. Für gestern und heute sind arbeits- und schulfreie Tag angeordnet. Es bilden sich lange Schlangen vor Tankstellen.

Einige Bundeststaaten des Landes wie Mérida und Zulia sind jedoch nach wie vor ohne Stromzufuhr. Hier ist die Situation besonders dramatisch: Trinkwasser ist rar, es kommt zu Plünderungen, die medizinische Versorgung ist massiv erschwert. So musste die Nichtregierungsorganisation „Doctors for Health“ am Sonntagabend 21 Todesfälle in Krankenhäusern melden. Die PatientInnen mussten sterben, da die lebensnotwendigen Geräte nicht mehr funktionierten. Im Internet kursieren auch höhere Zahlen.

Cyberangriff oder Misswirtschaft?

Innerhalb Venezuelas ist nun der Kampf um die Urheberschaft des Stromausfalls entbrannt. Die Regierung von Nicolas Maduro spricht von einem Cyberangriff auf das computergestützte Regulierungssystem „Ardas“ des Guri-Staudamms. Die Regierung wolle die Beweise dafür bald bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen vorlegen.

Die Opposition rund um den selbsternannten „Interimspräsidenten“ Juan Guaidó spricht hingegen von Misswirtschaft durch die Regierung. Nur mit dem Ende von Maduro werde der Stromausfall enden.

Investitionsstau und Sanktionen

Tatsächlich sei laut dem Portal amerika 21 die Stromversorgung Venezuelas in den letzten Jahren durch schlechte Wartung und Sabotage beeinträchtigt gewesen. „Die Infrastruktur ist auch durch einen inzwischen erheblichen Investitionsstau betroffen. Die zunehmenden Wirtschaftssanktionen der USA haben die Lage verschärft. Darüber hinaus hat, wie die US-Tageszeitung New York Times berichtete, Kraftstoffmangel durch US-Sanktionen verhindert, dass thermische Kraftwerke die Stromproduktion am Guri-Staudamm unterstützen.“

Parallelen zu Allende-Sturz

Doch neben den Auswirkungen der US-Sanktionen zeigt sich eine weitere Parallele zu Chile, die auf eine Einmischung der USA hindeutet. So kam es am 13. August 1973 in dem südamerikanischen Land zu einem Stromausfall, als der linke Präsident Salvador Allende eine Ansprache an die Nation hielt. In dieser zitierte er eine lange Liste von terroristischen Aktionen und Sabotage durch die „faschistische Opposition“. Ursächlich war tatsächlich ein Sabotageakt.

Der Stromausfall stand im Kontext einer Strategie des Chaos. Mit dieser versuchte die rechte Opposition in Chile, unterstützt durch amerikanische Geheimdienste, die linke Regierung Allendes zu diskreditieren. Am 11. September 1973 übernahm dann General Augusto Pinochet die Macht und errichtete eine Militärdiktatur, der in der Folge zehntausende Chilenen zum Opfer fielen.

Marsch auf Caracas

Auch in Venezuela bahnt sich nun eine weitere Zuspitzung des Machtkampfs an. Für heute um 3 Uhr nachmittags (8 Uhr MEZ) hat Guaidó alle Venezolaner zu Protesten aufgerufen. Die ihm folgende Nationalversammlung erklärte außerdem am Montag auf seinen Antrag hin den „nationalen Alarmzustand“. Das ist eine eine Vorstufe zum „nationalen Notstand“. Dabei handelt es sich um einen symbolischen Akt im Machtkampf. Das Militär, das in einem Notstand eine große Rolle spielt, hält derweil weiterhin zu Maduro.

Darüber hinaus kündigte Juan Guaidó eine Rundreise durch ganz Venezuela an, an dessen Ende er zu einem „Marsch auf Caracas“ aufruft, an dessen Schlusspunkt der Sturz Maduros stehen könnte. Auch eine Militärintervention durch ausländische Kräfte sieht er als möglich an, „wenn die Zeit gekommen ist“.

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