Dass die Funktionäre der AfD „alternative Fakten“ – auch „Lügen“ genannt – verbreiten, ist hinlänglich bekannt. Anhand des Brands der Notre Dame in Paris ist ihre nach Aufmerksamkeit heischende Taktik sehr gut zu erkennen und zu entlarven. – Ein Kommentar von Felix Thal

Ob Anschläge auf Unterkünfte von Geflüchteten, rechter Terror im In- und Ausland oder Straftaten gegen vermeintlich Einheimische – die AfD nutzt jede erdenkliche Gelegenheit, um Rassismus oder Falschmeldungen über ihre sozialen Medien zu verbreiten.

Im Falle des Brands in Paris versuchten in den vergangenen Tagen Abgeordnete eben jener Partei, die Aufmerksamkeit und Betroffenheit zu nutzen, um den Brand für ihren antimuslimischen Rassismus zu missbrauchen. Die Ermittlungen, die bisher durchgeführt wurden, gehen von einem Kabelbrand im Inneren der gotischen Kathedrale aus.

„Lasset uns beten“

Martin E. Renner, Abgeordneter im Bundestag, gab ein Bild auf seiner Facebook-Seite preis, auf dem zu lesen war, dass er die Ereignisse nicht „instrumentalisieren“ wolle. Im darauffolgenden Satz nutzte er allerdings die Chance, um den Brand für seinen christlichen Fundamentalismus zu missbrauchen.

Die brennende Notre Dame „sei ein Zeichen (…) für den Niedergang unserer christlichen, abendländischen Kultur. Lasset uns beten.“ Diese auf keinerlei Faktenlage bauende Behauptung lässt die naheliegende These zu, dass bestimmte Gruppen oder Menschen für den Brand verantwortlich und an der Zerstörung Interesse haben müssten.

Spekulation ohne Grundlage

Die AfD-Solingen hingegen würde sich nicht darüber wundern, wenn man die Vorkommnisse auf einen islamistischen Hintergrund zurückführen könne. Obwohl sie selbst zugibt, keine Erkenntnisse zu besitzen, spekuliert sie in jene Richtung, der Islam habe Schuld an der Katastrophe. Sie prophezeit gar, dass in Zukunft die „Attacken auf christliche Hoheitsabzeichen“ zunehmen würden.

Auch deren Faktenlage ist mehr als dünn und die Suche nach Schuldigen zielt nur in die Richtung, den Islam und all seine GlaubensanhängerInnen als Ganzes zu verunglimpfen und an den Pranger zu stellen.

Höcke: apokalyptische Zeit

Das propagandistische Finale bleibt Bernd Höcke vorbehalten: Für ihn sei eine „apokalyptische Zeit angebrochen, [zu der] wir unser europäisches Erbe im Herzen tragen“ würden.

Auch wenn die Notre Dame „tausendmal zerstört werden würde, man baue sie eintausendundeinmal wieder auf.“ (Der kleine Rechenfehler, dass somit Notre Dame zwei Mal existieren würde, sei ihm verziehen).

 

Gegen die AfD – in Wort und Tat

Allen Äußerungen der AfD ist die Anrufung eines gemeinsamen „christlichen Abendlandes“ eigen, das als Konstrukt in Europa so nie existiert hat. Vielmehr dient dieses Begriffspaar dazu, sich als westlich kulturelle Identität vom Islam abzugrenzen. Das „christliche Abendland“ formuliert  seinen Anspruch also vielmehr aus seinem gemeinsamen Machtinteresse heraus als durch einen gemeinsamen Glauben.

Die AfD versucht durch solche Facebook-Nachrichten Gefahren heraufzubeschwören, Panik zu verbreiten und ihren Anhängern die Botschaft zu vermitteln, „die Muslime“ würden daran arbeiten, nicht-muslimische Staaten zu zerstören.

Gegen diese Propaganda ist es nötig mit Wort und Tat anzugehen und immer wieder aufzuzeigen, was die AfD und ihre Abgeordneten sind: Rassisten!

Felix Thal
Schreibt für die Belange vom Geflüchteten und gegen die AfD. Solidarität stellt sich nicht von selbst her, sie muss organisiert werden.