In den letzten Jahren gibt es die Entwicklung zu mehr dauerhafter Armut in Deutschland. Gleichzeitig verfestigt sich der Reichtum, ForscherInnen sprechen von einer „Verhärtung der Ränder“. ArbeiterInnenlöhne haben dabei einen konstant geringen Anteil am gesamten Volkseinkommen.
Ein Team von ForscherInnen untersuchte die Entwicklung der Vermögensverteilung in Deutschland, die Ergebnisse sind als „WSI Verteilungsbericht“ des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht. Eine Erkenntnis ist auffällig: Die Stabilität der Verteilung nimmt zu. Sowohl Armut als auch Reichtum werden dauerhafter, wer arm ist, lebt auch längere Zeit in Armut. Das ist daran zu erkennen, dass der Anteil der Menschen, die über mindestens fünf Jahre in Armut gelebt haben, kontinuierlich zugenommen hat: Im Zeitraum von 1991 bis 1995 waren es noch 3,1 Prozent, 2011 bis 2015 waren es 5,4 Prozent. 2,4 Prozentpunkte davon sind sogar auf Menschen zurückzuführen, die unter „besonders armen“ Verhältnissen leben.
Der Reichtum veränderte sich hingegen nicht, der Anteil der dauerhaft Reichen schwankt um 3 Prozent. Die ForscherInnen weisen an dieser Stelle jedoch auf die systematische Unterrepräsentation von den wenigen besonders hohen Einkommen hin und bemerken, dass der tatsächliche Anteil noch ein wenig höher liegen kann.

Die „Arbeitnehmerentgeldquote“

Aufschlussreich ist auch die Darstellung der sogenannten „Arbeitnehmerentgeldquote“ Sie setzt die gezahlten Löhne und Gehälter ins Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Gesamteinkommen. Diese Quote hatte im Betrachtungszeitraum seit dem Jahr 2000 ihr Tief in 2007, dort lag sie bei 63,6 Prozent. In den darauffolgenden Jahren, in denen sich die Finanzkrise ereignete, stieg der Anteil rasant auf 68 Prozent, was dadurch erklärbar ist, dass die Gewinneinkommen sanken.
Heute liegt der Anteil der Löhne und Gehälter bei 68,6 Prozent und veränderte sich in den letzten vier Jahren nur wenig.