Mehrere zehntausend Menschen gingen am Sonntag in der spanischen Hauptstadt auf die Straße, um gegen die perspektivlose und sich fortwährend verschlechternde Lebenssituation auf dem Land zu demonstrieren und eine Zukunft für ihre Regionen zu fordern.

Zentrale Anliegen waren dabei die mangelnde Infrastruktur und die immer weiter zunehmende Landflucht. Diese geht soweit, dass es in einigen Regionen gar zur Entstehung von Geisterstädten kommt.

Aufgerufen hatte zu der Demonstration ein Bündnis von 85 verschiedener Organisationen, die der Zentralregierung eine allein auf die Großstädte bezogene Politik vorwerfen. Und tatsächlich scheint die Lage in den Dörfern des Landes desaströs: es fehle an Infrastruktur und wirtschaftlichen Perspektiven, Gründe die zum Umzug zwingen. Hinzu komme der Verkauf großer Bauernhöfe als Vermögensanlage, der sich derzeit im Aufwind befindet und das wirtschaftliche Potenzial dörflich geprägter Regionen hemmt.

All diese Faktoren haben dazu geführt, dass in 48 spanischen Gemeinden nun weniger als 12,5 EinwohnerInnen je Quadratkilometer leben, womit der offiziell festgelegte europäische Grenzwert zum „Entvölkerungsrisiko“ erreicht wird. Auch 26 Provinzstädte verlieren immer weiter an Bevölkerung, die gesamte Landbevölkerung beträgt zur Zeit nur noch etwa neun Millionen.

Exemplarisch für diese Entwicklungen steht unter vielen die Gemeinde Molina de Aragon, welche eine geringere Bevölkerungsdichte als Sibirien vorzuweisen hat. Zwar sind vor allem Dörfer und Kleinstädte von diesen Entwicklungen betroffen, doch auch Großstädte im Landesinnern verlieren inzwischen an Bevölkerung. Die Proteste tragen einen wegweisenden Charakter für die am 28. April anstehenden Parlamentswahlen, da bei diesen der ländlichen Bevölkerung wohl eine Schlüsselrolle zukommen wird.

So kommt es auch wenig überraschend, dass die Regierung erst am Freitag einen 70 Maßnahmen umfassenden Notfallplan zur Bekämpfung der Entvölkerung verabschiedet hat, der weithin als Versuch Stimmen zu erhaschen gewertet wurde. Er soll unter anderem bessere Internetanbindung und Möglichkeiten für die Jugend garantieren.

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