Festnahmen von Julian Assange und Wikileaks-Mitarbeiter. Assange droht die Auslieferung in die USA.

Am Donnerstag wurde Julian Assange, einer der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, festgenommen. Er befand sich seit sechs Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London, wo ihm seit 2012 politisches Asyl gewährt wurde. Seine Anwälte fürchten die Auslieferung an die Vereinigten Staaten von Amerika (USA), wo Assange eine hohe Strafe wegen seiner Rolle bei der Veröffentlichung von geheimen Regierungsdokumenten erwartet.

Am Tag darauf wurde in Ecuador ein Mitarbeiter von Wikileaks festgenommen. Der Computerspezialist wurde durch die Festnahme an seiner Ausreise nach Japan gehindert. Weitere Angaben zur Identität wurden vom zuständigen Innenministerium nicht gemacht.

Wikileaks-Informantin Manning bekam 35-jährige Haftstrafe

In den USA könnte Assange wegen der Veröffentlichungen von Wikileaks für viele Jahre ins Gefängnis kommen. Hunderttausende Regierungsdokumente sind in den Jahren 2010 und 2011 von Wikileaks veröffentlicht worden, nachdem die frühere US-Soldatin Chelsea Manning sie an ihn weitergegeben hat.

Die Dokumente zeigten unter anderem schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen durch das US-Militär. Manning wurde 2010 verhaftet und zu 35 Jahren Gefängnis verurteilt. Nachdem sie sieben Jahre inhaftiert gewesen war, wurde ihre restliche Strafe erlassen und sie kam frei.

Mögliche Verbindung zu Kreditgebern

Im Februar diesen Jahres vereinbarten der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank und der ecuadorianische Präsident Moreno Kredite im Umfang von 4,2 Milliarden Dollar für das Land. Inwiefern die Kreditauflagen etwas mit der Aufhebung des Asyls von Assange zu tun haben, ist noch nicht geklärt.

Wikileaks verurteilt Festnahme

Die Enthüllungsplattform Wikileaks bezeichnete den Entzug des diplomatischen Asyls für Assange in einer Stellungnahme als illegal und brandmarkte ihn als Verletzung internationalen Rechts. In einer am Donnerstag veröffentlichten Erklärung hieß es, der ecuadorianische Botschafter habe die britische Polizei „eingeladen“, Assange zu verhaften.