Forscher legen erstmals Bericht zur weltweiten Artenvielfalt vor. Dieser ergibt ein dramatisches Bild. Jede achte Pflanzen- und Tierart ist vom Aussterben bedroht.

Der „Weltbiodiversitätsrat“ (IPBES) hat als UN-Gremium die Aufgabe, die biologische Vielfalt und die Ökosystemleistungen wissenschaftlich zu erfassen und Handlungsvorschläge für die UN zu erarbeiten. Nun hat der Rat erstmals einen umfassenden Bericht zur weltweiten Artenvielfalt vorgestellt.

Massive Umweltschäden

Der Bericht zählt auf, dass bereits bis heute 85% aller Feuchtgebiete, die Hälfte aller Korallenriffe und knapp ein Drittel aller Wälder auf der Welt zerstört wurden. Hinzu kommt, dass rund 20% der landwirtschaftlichen Anbaufläche so stark ausgebeutet wurden, dass dort nichts mehr angebaut werden kann. Rund 100 Millionen Hektar Regenwald wurden allein zwischen den Jahren 1980 und 2000 vernichtet.

Auch 93% aller Fischbestände sind überfischt und schrumpfen daher kontinuierlich. Dazu kommt eine massive Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll, Mikropartikel und dadurch, dass rund 80% aller Abwässer ungeklärt in die Flüsse und Meere fließen.

Als Folge der Umweltzerstörung sind mehr als eine Million Tiere und Pflanzen vom Aussterben bedroht. Bereits seit dem Jahr 1900 sind die Arten, die auf dem Land leben, um mindestens 20% zurück gegangen. Heute sind zudem 40% aller Amphibienarten, 30% der noch existierenden Korallen und mehr als ein Drittel aller Meeressäuger vom Aussterben bedroht.

Wirtschaftssystem als Ursache

Den Forschern zufolge ist die Ursache klar in der Produktions- und Wirtschaftsweise der Menschen zu suchen. So habe sich seit 1970 die Weltbevölkerung verdoppelt und die globale Wirtschaftsleistung vervierfacht. Dies sei zu viel, als dass sich die Umwelt regenerieren könne.

„Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“, so Robert Watson, der Vorsitzende des Weltbiodiversitätsrats.

Die Forscher fordern daher eine „fundamentale, systemweite Reorganisation technologischer, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren“. Die Weltgemeinschaft müsse sich dringend abwenden von wirtschaftlichem Wachstum als zentralem Ziel hin zu nachhaltigeren Systemen, hieß es.