Am gestrigen internationalen Kampftag der Arbeiterinnen und Arbeiter sind in Deutschland fast 400.000 Menschen auf die Straße gegangen. Auch klassenkämpferische und kommunistische Kräfte beteiligten sich. Sie organisierten internationalistische Blöcke auf den DGB-Demonstrationen oder eigene revolutionäre Mai-Demonstrationen.

Nach Angaben des „Deutschen Gewerkschaftsbunds“ (DGB)  haben am gestrigen 1. Mai in ganz Deutschland 381.500 Menschen an Kundgebungen und Demonstrationen des DGB teilgenommen. Insgesamt soll es 481 Veranstaltungen gegeben haben.

Teil des internationalistischen Block auf der DGB-Demo in Köln

An den Demonstrationen nahmen neben den verschiedenen Gerwerkschaftsgliederungen auch linke Parteien, Umweltorganisationen wie auch kommunistische und revolutionäre Strukturen teil. So formierten sich in vielen Städten eigenständige „internationalistische“ und „revolutionäre“ Blöcke.

Hinzu kamen noch unabhängige „revolutionäre 1. Mai-Demonstrationen“, die eine radikale Kritik am Kapitalismus auf die Straße trugen.

In Berlin nahmen unter dem Motto „gegen die Stadt der Reichen“ rund 10.000 Menschen an der „revolutionären 1. Mai-Demonstration“ teil. Sie führte erstmals nicht durch Kreuzberg, wo das entpolitisierte „Myfest“ stattfand. Auf der Demo und aus Hausprojekten wurde immer wieder Pyrotechnik abgebrannt. Am Ende der Demonstration kam es zu Festnahmen und Übergriffen durch die Polizei, die mit rund 2.000 OrdnungshüterInnen im Einsatz war.

In „Reichenviertel“ Grunewald demonstrierten rund 2.000 Personen, in Berlin-Neuköln beim „Roten 1. Mai“ etwa 300. Am Vortag hatten im Berliner Ortsteil Wedding etwa 1.500 Personen unter anderem gegen hohe Mieten und Verdrängung protestiert.

In Nürnberg beteiligten sich an der traditionellen „Revolutionären 1.-Mai-Demonstration“ mit über 3.000 Menschen mehr als doppelt so viele TeilnehmerInnen wie an der Demonstration des DGB. Während der Demonstration wurden mehrfach Rauchtöpfe gezündet, die Polizei schritt jedoch nicht ein.

In Stuttgart beteiligten sich rund 1.200 Personen an der revolutionären 1. Mai-Demonstration. Mit einer kollektiven Schilder-Aktion im Front-Block, lila Rauch und einer kurzen Rede vom Lautsprecherwagen machte die Demo im späteren Verlauf auf eine größere Street Art-Plakatierung an der Route im Gedenken an die Stuttgarter Kommunistin Else Himmelheber aufmerksam. Nachdem die DemonstrantInnen einen kurzen Sprint einlegten, kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, welche die Demonstration aufhielt. Sie setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Im Zuge dessen wurden den Demosanitätern „Südwest“ zufolge 27 DemonstrantInnen verletzt. Nach kurzem Stillstand konnte die Demo weiterziehen.

Gepostet von red.act – Revolutionäres Infoportal Stuttgart am Mittwoch, 1. Mai 2019

In Hamburg fand nach Angaben der Veranstalter die größte revolutionäre 1. Mai-Demonstration bisher statt. Sie zog mit bis zu 3.500 Menschen von der S-Sternschanze in die Lenz-Siedlung. In Solidarität mit den Protesten in Frankreich wurden im Frontblock gelbe Westen getragen. Zuvor war eine Demonstration vom Alma-Wartenberg-Platz mit rund 2.000 Personen zur Auftaktkundgebung gezogen. Die Polizei war mit 1.700 PolizistInnen, einer Reiterstaffel, Hubschrauber, mehreren Wasserwerfern, Räumpanzern und Hunden im Einsatz.

Neben den gewerkschaftlichen und revolutionären Mai-Demonstrationen gab es auch Aufmärsche von faschistischen Kräften, unter anderem in Duisburg, Plauen und Dresden. Dabei kam es jeweils zu Blockade- und Störversuchen antifaschistscher Kräfte, gegen die die Polizei vorging.

Die angekündigte Demonstration von Pegida vor der Roten Flora in Hamburg platzte derweil. Beim Kundgebungsort am U-Bahnhof Schlump erschienen lediglich zwei Pegida-Anhänger.