Wegen der Erderwärmung schmelzen riesige Eisgletscher – und lassen den Meeresspiegel steigen. Forscher haben nun festgestellt: die bisherigen Vorhersagen über den Anstieg sind zu gering angesetzt. Bis 2100 könnte er fast doppelt so hoch sein.

Das geht aus einem Beitrag in der Fachzeitschrift „PNAS“ hervor. Die Forscher um Jonathan Bamber von der University of Bristol hatten 22 ExpertInnen zum Gletscherschmelzen in Grönland und der Antarktis befragt.

Die Forscher kommen zur Einschätzung, dass der Meeresspiegel um knapp 2,38 Meter bis zum Jahr 2100 steigen könnte. Dabei könnten rund 1,79 Millionen Quadratkilometer verloren gehen. Bis zu 187 Millionen Menschen könnten vertrieben werden. „Solche Veränderungen innerhalb der nächsten 80 Jahre hätten schwerwiegende soziale Unruhen zur Folge“, so Bamber.

Wahrscheinlichkeit noch gering

Die Extrem-Variante von einem Anstieg bis zu 2,38 Metern ist den Forschern zufolge mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa fünf Prozent der Fall, wenn die Treibhausgasemissionen bis 2100 zu einer globalen Erwärmung von fünf Grad Celsius führen. Aktuell wird auf Weltebene darum geschachert, ob es gelingt, die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten.

Dennoch liegen die Ergebnisse weit über dem, was der Weltklimarat IPCC bisher in seinem fünften Schadensbericht 2013 beschrieben hatte. Dieser ging von einem Anstieg auf maximal einen Meter bis 2100 aus.

Doch schon heute zeigen Satellitenmessdaten, dass sich der Meeresspiegel schneller als damals erwartet anhebt. 2018 ist er laut der Weltwetter-Organisation (WMO) um 3,7 Millimeter im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das ist der höchste Stand seit dem Beginn systematischer Satellitenmessungen. Insgesamt liegt er ungefähr acht Zentimeter über dem Wert von 1993.