Bisher war die Polizei von einem persönlichen Motiv ausgegangen. Nun wird wahrscheinlicher, dass es sich im Mordfall um den hessischen Regierungspräsidenten Walter Lübcke um eine politisch rechts-motivierte Tat handelt.

So nahm die Polizei nach Entlastung des zuerst im Verdacht stehenden Sanitäters und Freundes der Familie Lübcke am frühen Sonntagmorgen einen 45-Jährigen in Kassel fest.

Bei diesem soll es sich um einen als solchen bekannten Faschisten handeln. Identifiziert wurde der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende Mann vermutlich durch eine DNA-Spur.

Mit genaueren Angaben hielten sich die Behörden allerdings noch zurück. Für sie gehe es jetzt darum, zu prüfen, ob es sich um eine Einzeltat handle oder ein Zusammenhang zu anderen Taten bestehe.

Warum interessiert sich niemand für den Mord an Walter Lübcke?

Fest steht, dass Walter Lübcke sich schon längere Zeit im Visier der Faschisten befunden hatte. Bereits vor 4 Jahren, als er bei einer Bürgerversammlung in Nordhessen die deutsche Flüchtlingspolitik verteidigt hatte, wurde er wiederholt Opfer von Morddrohungen. Da diese jedoch abrissen, wurde vorerst ein Zusammenhang mit dem Tod des CDU-Politikers am 2. Juni ausgeschlossen und der Täter in seinem persönlichen Umfeld gesucht.

Trotz ausbleibender Morddrohungen war Lübcke jedoch weiterhin im Internet angefeindet worden, beispielsweise im Februar diesen Jahres. Und auch nach seiner Ermordung entlud die faschistische Szene dort offen ihren Hass auf den Mann, dessen Tod auf verhältnismäßig wenig Interesse durch Politiker und Medien stieß.