Der Juli ist der „Pride Month“ – eigentlich der Monat, in dem der historischen Kämpfe für die Rechte von Queerpersonen* gedacht wird und unsere heutigen Probleme in Angriff genommen werden. – Ein Kommentar von Leon Hamacher

Juli – Der Monat, in dem der Stonewall-Riot stattfand, in dem der Paragraph 175, der Homosexulität unter Strafe stellte, abgeschafft wurde und in dem die WHO Homosexualität nicht mehr als Krankheit bezeichnete.

Und wie sieht es heute aus?

Anstatt Kämpfe um Anerkennung und Gleichberechtigung zu führen, wird der Pride Month heute von großen Unternehmen bis auf den letzten Cent ausgequetscht. Die Werbefirma Ströer, die massenhaft Wahlwerbung für die queerfeindliche AfD plakatierte, wirbt mit Regenbogen-Fahnen und H&M lässt eine CSD-Kollektion (CSD=Christopher Street Day) in Ländern produzieren, in denen ein Outing höchstwahrscheinlich mit Verachtung und Tod endet, um nur einige Beispiele für heuchlerische Unternehmen zu nennen.

Wer die heutigen CSD-Paraden sieht, würde niemals vermuten, dass diese aus einer Tradition kämpferischer Demonstrationen und letztendlich dem blutigen Kampf gegen die queerfeindliche Polizei in New York erwuchsen, denn die Polizei darf sich heutzutage hier – ebenso wie das deutsche Militär, Großkonzerne wie Siemens, Deutsche Bank, Bayer oder ThyssenKrupp – als „Ally“ (Verbündete) präsentieren.

Dass der deutsche Repressionsapparat nicht auf unserer Seite steht, zeigt alleine dieser Fall, über den Perspektive Online bereits berichtete:

Homofeindliche Gewalt: Tötung eines schwulen Mannes nicht wie Mord geahndet

Auch die aufgezählten Großkonzerne sehen in uns nichts als eine Bevölkerungsgruppe, mit der sich Profit schlagen lässt. Ihr höchstes Gesetz ist nun mal die Gewinnmaximierung. Dabei ist es Konzernen wie Bayer egal, ob sich der Profit nun am besten aus der Teilnahme am CSD oder – wie er es noch unter dem Namen „IG Farben“ getan hat – durch den Verkauf von Giftgas zur Ermordung von Queerpersonen und Millionen anderer Personen an die Nazis schlagen lässt.

Der Kampf um Queer-Befreiung ist antikapitalistisch!

Das Schlimmste ist, dass große Teile der Queer-Community dieses Spektakel mitmachen. Es gibt nur sehr wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel den alternativen CSD in Köln, die dem etwas entgegensetzen. Dabei haben wir heute mehr Gründe denn je zu kämpfen!

Die Angriffe auf alles was queer ist, nehmen immer größere Ausmaße an, sei es durch faschistische Parteien und Organisationen wie die AfD oder die Identitäre Bewegung oder durch den Vatikan, der in den letzten Tagen einen Angriff auf Trans- und Intermenschen gestartet hat.

Alleine in Berlin gab es letztes Jahr durchschnittlich alle drei Tage einen homofeindlichen Angriff, in Sachsen soll es mindestens einer pro Tag sein, die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen.

Ich will nicht in den „guten alten Zeiten“ schwelgen, in denen der CSD noch ein Kampftag war, sondern rufe alle Queerpersonen dazu auf, ihn wieder zu einem zu machen! Wir müssen uns selbstorganisiert zusammenschließen, wir müssen unsere Probleme analysieren und ihre Ursachen benennen, wir müssen uns wehren.

Stonewall was a riot! Es ist Zeit für neue Aufstände!

 

* Der Begriff Queerpersonen beschreibt Menschen die nicht-heterosexuell sind, sich nicht dem ihnen nach der Geburt zugeschriebenen Geschlecht zuordnen oder deren Geschlecht weder Mann noch Frau ist.