Nachdem vor einer Woche die Pride-Parade im polnischen Bialystok von rechtsradikalen Schlägern gewalttätig angegriffen wurde, zeigten sich am Wochenende mehrere tausend Menschen im ganzen Land solidarisch mit den angegriffenen Personen. Allein in der Hauptstadt Warschau ist von mehr als 1.000 Protestierenden die Rede.

Als am 20. Juli die erste LGBTI-Demonstration in der Geschichte Bialystoks stattfand, wurde sie begleitet von gewalttätigen „Gegendemonstranten“, die meisten davon wohl aus der rechten Fußballfanszene und von faschistischen Gruppierungen. Sie beschimpften die Teilnehmenden, warfen Flaschen und Steine und prügelten auf sie ein. Einige verfolgten sie auch noch nach Ende des Umzugs.

In dessen Vorfeld hatte schon der Erzbischof der ostpolnischen Großstadt, Tadeusz Wojda, vor der Veranstaltung gewarnt, die der Region „fremd“ sei und christliche Werte verhöhne. Zwar verurteilte er die durch solche Aufrufe befeuerte Gewalt, aber ein Umdenken scheint bei den Kirchen des Landes nicht einzusetzen.

Um in der aufgeheizten Stimmung ein Zeichen gegen die Angriffe zu setzen, riefen verschiedene linke und oppositionelle Parteien und Gruppen zu mehreren Demonstrationen und Kundgebungen in verschiedenen polnischen Großstädten auf. Sie richteten sich gegen die Gewalt und die Hetze, die vielen LGBTI-Personen das Gefühl gibt, keinen Platz in Polen zu haben. Auch die Angst vor Todesopfern in der Community wächst, denn Bialystok ist keineswegs ein Einzelfall.

So wurde erst am Donnerstag der Journalist Przemyslaw Witkowski in Breslau angegriffen, nachdem er sein Missfallen über queer-feindliche Graffitis in der Stadt, wie auch gegen die letzte Ausgabe der nationalistischen Wochenzeitung „Gazeta Polska“ zum Ausdruck gebracht hatte. Die Zeitung hatte in ihrer letzten Ausgabe Aufkleber verbreitet, auf denen „LGBT-freie Zone“ zu lesen ist. Trotz einer einstweiligen gerichtlichen Verfügung liegen diese weiterhin aus statt – wie gefordert – aus dem Verkehr gezogen zu werden.

Auch die regierungsnahen Medien stellten die Vorfälle als einfache Auseinandersetzungen zweier gleichermaßen beteiligter Gruppen dar. Gleichzeitig erwägt der polnische Erziehungsminister Dariusz Piontkowski ein komplettes Verbot queerer Demonstrationen, welche die „berechtigte Abscheu“ der Bevölkerung auf sich ziehen würden.