Seit mehreren Wochen wird in Deutschland darüber diskutiert, inwieweit E-Scooter die Elektro-Mobilität bereichern und das Klima schützen. Die Bilanz sieht schlecht aus. – Ein Kommentar von Felix Thal

Eines vorweg: Dieser Artikel soll sich nicht einreihen in den lauthalsen Shitstorm, der über das Phänomen E-Roller hereingebrochen ist. Es gibt schon zu viele Personen im deutschen Feuilleton und in den sozialen Medien, die am liebsten jeder E-RollerfahrerIn in den Lenker greifen wollen, weil sie auf dem Gehweg gefahren ist oder der kostbare Parkplatz für ihr Auto zugestellt wurde. Die Kritik an der neuen elektrischen Fortbewegung sollte allumfassend sein und aufzeigen, was der Roller leisten kann und was nicht.

Wer schon einmal auf einem E-Scooter gestanden hat, der weiß: Es macht durchaus Spaß! Ganz ohne Anstrengung an dem Stau des Berufsverkehrs vorbeizuziehen, versprüht Leichtigkeit. Schnell und wendig durch die Stadt zu fahren, lässt einen zügig sein Ziel erreichen. Doch die Kehrseite zeigt: Prekäre Beschäftigungsverhältnisse bei den Personen, die nachts die Roller aufladen müssen, und vom Autofahren hält es die Menschen ebenfalls nicht ab.

Bisherige Zahlen zeigen, dass die Roller zumeist am Wochenende benutzt werden und somit die Fahrt zur Arbeit und der Verzicht auf´s Auto fraglich bleibt. Die zurückgelegte Strecke von 1,9 Kilometern spricht zudem dafür, dass eher der Gang zu Fuß oder die Fahrradfahrt durch den Roller ersetzt wurde.

Nachts werden die Fahrzeuge von prekär beschäftigten Menschen per PKW eingesammelt und an der privaten Steckdose wieder aufgeladen. Die Umweltbilanz fällt daher schlecht aus. Zudem ist die Lebensdauer der Roller in Großstädten von ein bis drei Monaten sehr knapp bemessen. Auch die Kosten für die Anmietung und das Fahren von mehreren Kilometern entspricht in Berlin dem Preis einer Tageskarte für S- und U-Bahn.

Die E-Scooter hatten es von Anfang an schwer. Die vielbesprochene Verkehrswende in den Innenstädten kann er nicht leisten. Das Positive an der Diskussion um die E-Roller ist aber, dass nun ein Verkehrsmittel wieder grundsätzlich in Frage gestellt wird, das wirkliche Probleme verursacht: Das Auto.

Das Auto ist schuld an verstopften Straßen, schlechter Luft und vielen Verkehrstoten jedes Jahr. Wenn das Verkehrsverhalten wirklich revolutioniert werden soll, dann müsste darüber gesprochen werden, die Innenstädte gänzlich von Kraftfahrzeugen zu befreien und den ÖPNV kostenlos anzubieten. Nur so könnten die Menschen dazu motiviert sein, ihren vermeintlich komfortablen PKW stehen zu lassen und auf einen 20 km/h schnellen Roller umzusteigen. Bis dahin bleibt der E-Scooter eine Entwicklungsstufe hin zur autofreien Stadt und für seine BenutzerInnen nur ein Spielzeug.