Der Friedensprozess in Kolumbien scheint endgültig gescheitert zu sein. Eine Gruppe um den zweithöchsten FARC-EP Kommandanten Iván Márquez hat die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes in Kolumbien bekanntgegeben.

Rund drei Jahre nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und den „Revolutionären Streitkräften Kolumbiens – Armee des Volkes“ (FARC-EP) haben führende KommandantInnen der Guerillaorganisation den bewaffneten Kampf wieder aufgenommen.

Der zweithöchste Kommandant der ehemaligen FARC-EP, Iván Márquez, veröffentlichte in der Nacht zum Donnerstag ein Video, in dem er zusammen mit anderen ehemaligen GuerillaführerInnen „eine neue Phase des bewaffneten Kampfes“ ankündigt. In der Zeit des Friedensvertrags waren mehr als 150 ehemalige GuerillakämpferInnen ermordet worden.

Wiederaufnahme des Kampfes

Die Überschrift der von Márquez verlesenen Erklärung lautete: „Solange es den Willen zum Kampf gibt, besteht Hoffnung auf den Sieg“. Der Guerillakrieg werde „unter dem Schutz des universellen Völkerrechts wieder aufgenommen, das es erlaubt, sich mit Waffen gegen Unterdrückung zu wehren“, sagte Márquez.

Die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes sei eine „Reaktion auf den Verrat des Staates an dem Friedensabkommen von Havanna“. Seine Gruppe werde ein Bündnis mit der Guerillaorganisation Nationale Befreiungsarmee (ELN) und anderen versprengten Einheiten der ehemaligen FARC-Guerilla anstreben.

Bereits seit einem Jahr verließen immer mehr ehemalige KämpferInnen die sogenannten „Wiedereingliederungszonen für den Frieden“, in denen die demobilisierten KämpferInnen ins zivile Leben zurückfinden sollten. Sie setzten sich zu verschiedenen bewaffneten Gruppen ab, oder sie gingen in den Untergrund. Die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfs fällt zusammen mit der Wiederaufnahme der Aktivität der „Klandestinen Kolumbianisch Kommunistischen Partei“ (PCCC), dem politischen Arm der FARC-EP.

Regierung im Kampf gegen den Friedensvertrag

Der Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes ging ein regelrechter Kampf der Regierung um den amtierenden rechten kolumbianischen Präsidenten Iván Duque gegen den Friedensvertrag voraus. Seine Regierung setzte das Abkommen kaum noch um und versuchte sogar Teile des Friedensvertrags rückgängig zu machen. Zudem bekämpft er die aus der FARC-EP hervorgegangene legale Partei „Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes“ (FARC).

Präsident Duque hat noch am gestrigen Donnerstag einen Militäreinsatz gegen die KämpferInnen um Márquez angekündigt. Eine eigens geschaffene Sondereinheit werde sie verfolgen. Sie werde von Sonderermittlern und dem Geheimdienst unterstützt, so Duque am Donnerstag. „Ich habe den Aufbau einer Spezialeinheit zur Verfolgung dieser Kriminellen angeordnet“ Er, sagte er. Zudem setzte  er ein Kopfgeld von umgerechnet rund 800.000 Euro aus.

Der frühere führende Kommandant der FARC-EP und heutige Vorsitzende der legalen Partei FARC, Rodrigo Londoño, lehnt hingegen die Wiederaufnahme des Kampfes ab. „Die große Mehrheit hält sich an die Abmachungen. Trotz aller Schwierigkeiten stehen wir auf der Seite des Friedens“, twitterte er.

Morde und Repression gegen AktivistInnen

Kolumbien ist eines der gefährlichsten Länder für soziale AktivistInnen weltweit. Laut einer aktuellen Studie der britischen Nichtregierungsorganisation „Global Witness“ belegte Kolumbien im Jahr 2018 auf der Rangliste der Länder mit der höchsten Mordrate an UmweltaktivistInnen den zweiten Platz. Über 1.350 Aktivisten haben persönliche Todesdrohungen erhalten, und allein in den vergangenen vier Monaten sind knapp 300 Anführer von sozialen Organisationen und Bewegungen ermordet worden, berichtet das Lateinamerika-Portal amerika21.