Um die Zahlung von Unternehmenssteuer zu umgehen, überweisen Großkonzerne gern große Teile ihrer Profite an Tochterunternehmen in Steueroasen. Mittlerweile machen diese „Phantom-Investitionen“ unglaubliche 15 Billionen US-Dollar aus. Das sind 40% der globalen Invesititionen oder das jährliche Bruttoinlandsprodukt der Wirtschaftsmächte China und Deutschland.

In weniger als einem Jahrzehnt ist der Anteil der Phantom-Direktinvestitionen an den globalen Direktinvestitionen von rund 30 Prozent auf fast 40 Prozent gestiegen. Dies geht aus einer Analyse des „Internationalen Währungsfonds“ hervor.

Bei diesen „Phantom-Direktinvestitionen“ investieren Unternehmen in „Briefkastenfirmen“, die keine wirklichen Geschäftsaktivitäten zeigen. Vielmehr führen sie Holding-Aktivitäten und interne Finanzierungen durch oder verwalten immaterielle Vermögenswerte – letztlich, um die globale Steuerbelastung multinationaler Unternehmen zu verringern

Die Top 10 der Steueroasen

Die überwiegende Mehrheit der weltweiten Phantom-Direktinvestitionen wird in einigen wenigen bekannten Steueroasen getätigt – in Luxemburg und den Niederlanden fast die Hälfte. So bekommt Luxemburg, ein Land mit 600.000 Einwohnern, laut offizieller Statistik gleich viele ausländische Direktinvestitionen wie die Vereinigten Staaten. Auf jeden  Einwohner Luxemburgs kommen so 6,6 Millionen US$ an Direktinvestitionen.

Wenn man zu Luxemburg und den Niederlanden die Sonderverwaltungszone Hongkong, die Britischen Jungferninseln, die Bermuda-Insel, Singapur, die Kaimaninseln, die Schweiz, Irland und die französische Kolonie Mauritius hinzunimmt, werden in diesen 10 Volkswirtschaften mehr als 85 Prozent aller Phantom-Investitionen getätigt.

Unternehmenssteuer sinkt – weltweit

Warum und wie ziehen diese wenigen Steueroasen so viele ausländische Direktinvestitionen an? In einigen Fällen ist es eine gezielte Strategie, so viele ausländische Investitionen wie möglich zu locken, indem lukrative Vorteile geboten werden – beispielsweise sehr niedrige oder null effektive Unternehmenssteuer.

In Irland wurde beispielsweise der Unternehmenssteuersatz von 50 Prozent in den 1980er Jahren auf heute 12,5 Prozent erheblich gesenkt. Darüber hinaus nutzen einige multinationale Unternehmen die Lücken im irischen Recht, indem sie innovative Steuertechniken mit kreativen Spitznamen wie „Double Irish with a Dutch Sandwich“ anwenden. Dabei werden Gewinne zwischen Tochterunternehmen in Irland und den Niederlanden transferiert mit Steueroasen in der Karibik als Endziel. Durch diese Taktiken erzielen Großkonzerne noch niedrigere Steuersätze oder vermeiden Steuern komplett.

Doch nicht nur in Irland werden Unternehmen immer weniger besteuert. Gerade auch durch den „Wettbewerb“ mit Steueroasen wurde die weltweite durchschnittliche Unternehmenssteuer von 40 Prozent im Jahr 1990 auf rund 25 Prozent im Jahr 2017 gesenkt.