Seit mehreren Wochen bekommen die ArbeiterInnen bei „Avir Guss“ – früher „Neue Halberg Guss“ – kein Gehalt. Doch die Geschäftsführung schweigt. Möglicherweise steht eine Pleite bevor wie schon bei den Auto-Zulieferern „Weber Automotive“ und „Eisenmann“. Schon jetzt werden in der Branche tausende Arbeitsplätze abgebaut.

Am 14. Juni 2018 begannen die rund 2.000 KollegInnen der Gießerei „Neue Halberg Guss“ in Saarbrücken und Leipzig ihren Streik und legten die Arbeit bis zum 30. Juli nieder. Sie kämpften um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Obwohl es sich nur um ein Zulieferunternehmen handelt, mussten die abnehmenden Autokonzerne ihre Produktion einschränken. Nach mehrmonatigen Verhandlungen soll sich dann ein Zusammenschluss aus „VW“, „General Motors“ und „Deutz“ darauf geeinigt haben, das Unternehmen zu retten.

Doch wie das Handelsblatt nun berichtet, steht „Avir Guss“ (wie „Neue Halberg Guss“ seit kurzem heißt) vor der Pleite. So habe VW vor Unterzeichnung der Rettungsverträge plötzlich Nachbesserungen gefordert, die sich nicht realisieren ließen. Dabei ging es auch um Millionen an Garantien aus Steuergeldern, die von den Ländern bereit gestellt werden sollten. VW dementiert das.

Doch Fakt ist: Seit Wochen erhalten die ArbeiterInnen keinen Lohn mehr für ihre Arbeit – ein alarmierendes Zeichen. Arbeitskampf-Maßnahmen werden jedoch von der IG Metall noch nicht angekündigt. Stattdessen wird den ArbeiterInnen kostenlose Rechtshilfe in Aussicht gestellt, um den Lohn einzuklagen.

Auch weitere Automobilzulieferer unter Druck

Die Lage bei Avir Guss steht beispielhaft für die gesamte Branche der Automobilzulieferer: Ende Juli ging der Lackieranlagenhersteller „Eisenmann“ pleite. 3.000 ArbeiterInnen bangen nun um ihren Job. Auch „Weber Automotive“ hat im Juli Insolvenz angemeldet – 1.500 ArbeiterInnen sind davon betroffen.

Wer noch nicht pleite ist, baut Personal ab: „Beim fränkischen Familienunternehmen Schaeffler sind es 900 Stellen. Auch der Filterhersteller Mann+Hummel steckt mitten im Abbau von 1.200 Stellen. Mahle schließt ein Werk mit 250 Beschäftigten und baut 400 Stellen in der Zentrale in Bad Cannstatt ab. Der Pressenhersteller Schuler reduziert um 500 Arbeitsplätze, Continental erwägt sogar Werkschließungen. Auch Weltmarktführer Bosch rechnet wegen der schwachen Diesel-Nachfrage mit deutlichem Stellenabbau.“, so das Handelsblatt.

„Wir werden in nächster Zeit noch viele Autozulieferer sehen, denen die Luft ausgeht“, erklärte Autoexperte Stefan Bratzel vom „Center of Automotive Management“ bei der IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) vergangene Woche in Frankfurt.