In Barcelona wird derzeit ein spannender Testlauf durchgeführt: so sind sechs Straßengruppen zu nahezu autofreien Zonen erklärt worden. Eine Studie zeigt nun, dass eine Ausweitung auf alle 503 Straßenblocks die Luftverschmutzung um ein Viertel senken könnte. Außerdem könnte das Leben von hunderten Menschen gerettet werden.

Das geht aus einer Untersuchung desBarcelona Institute for Global Health hervor, über die der britische Guardian berichtet. Demnach könnte die Stadt 667 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindern, wenn sie alle 503 Straßenzüge in autofreie Zonen umwandeln würde, wie dies derzeit testweise in sechs sogenannten „Superblocks“ bereits geschieht.

Bei den Superblocks handelt es sich um Straßengruppen, in denen der Verkehr auf nahezu Null reduziert wurde. Die Bereiche, die früher von Autos besetzt waren, wurden nun den FußgängerInnenn und Spielplätzen übergeben. Eine Ausweitung dieses Konzepts auf die ganze Stadt könnte der Studie zufolge viele Verbesserungen mit sich bringen:

  • Die Stickoxide in der Umgebung würden von derzeit 47 Mikrogramm pro Kubikmeter um 24% auf 36 Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt. Eine Verringerung dieser Größenordnung würde die Stickoxid-Werte in Barcelona mit der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von maximal 40 Mikrogramm pro Kubikmeter in Einklang bringen.
  • Die Lebenserwartung eines durchschnittlichen Barcelona-Bewohners könnte sich um fast 200 Tage erhöhen, so der Bericht, und die Stadt würde damit jährlich 1,7 Mrd. Euro einsparen. Die größten gesundheitlichen Vorteile würden sich aus der Verringerung der Luftverschmutzung (Vermeidung von 291 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr) ergeben, gefolgt von geringeren Verkehrslärm- und Wärmeinsel-Effekten (Vermeidung von 163 bzw. 117 vorzeitigen Todesfällen).
  • Die Studie schätzt auch, dass die Gesamtzahl der Fahrten mit Privatfahrzeugen um 1,19 Mio. pro Woche um 230.000 sinken würde, wenn Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen oder Fahrten zu Fuß oder mit dem Fahrrad unternähmen.
  • Der Plan würde auch die Anzahl der Grünflächen in einer dicht besiedelten Stadt mit wenigen öffentlichen Parks erhöhen. Allein im Distrikt „Eixample“ rechnen die Forscher damit, dass die durch den Plan bedingte Zunahme der Vegetation 60 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verhindern würde.

Bei der Einführung des ersten Superblocks im Jahr 2017 im Poblenou im Norden der Stadt kam es am Anfang noch zu Widerständen von Autobesitzern und denjenigen, die Probleme für die örtliche Wirtschaft befürchteten.

Die Opposition hat jedoch nachgelassen, als die BewohnerInnen begannen, die Vorteile einer verkehrsfreien Nachbarschaft zu genießen. Es gibt bereits 30% mehr örtliche Unternehmen als zuvor, und die Zahl der Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, hat in der Region erheblich zugenommen.