Die Zahl der Menschen, die auf Lebensmittel der Tafeln angewiesen ist, steigt massiv an. Allein im vergangenen Jahr ist die Zahl der Tafel-NutzerInnen um mehr als 10 Prozent gestiegen.

„Wir Tafeln sind eine Art Seismograph der Gesellschaft“, so Jochen Brühl, der Vorsitzende des Bundesverbands Tafel Deutschland. Er sieht in Deutschland eine „alarmierende Entwicklung“, die sich durch den starken Anstieg an Menschen, welche die Angebote der Tafel nutzen, ausdrücke. Zusätzlich warnt er: „Altersarmut wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wucht überrollen.“

Besonders dramatisch sei schon heute der enorme Zuwachs an armen RentnerInnen. So hat sich die Zahl der Menschen im Ruhestand, die sich Lebensmittel bei der Tafel abholen, im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent erhöht. Für die kommenden Jahre erwartet der Dachverband der Tafeln einen weiteren starken Anstieg. In den vergangenen 14 Jahren hat sich die Gesamtzahl der Tafel-NutzerInnen mehr als verdreifacht.

Besonders dramatisch ist zudem die Lage bedürftiger Kinder und Jugendlicher. Mit rund 500.000 machen sie 30 Prozent der Tafel-Bedürftigen bundesweit aus. Sie sind die „Altersarmen von morgen“, so Brühl.

Tafeln erfüllen sozialstaatliche Aufgaben

Die rund 950 Tafeln erfüllen mit ihren 60.000 MitarbeiterInnen (von denen 90 Prozent ehrenamtlich arbeiten) eine soziale Auffangarbeit, die eigentlich der Sozialstaat leisten müsste. Die Tafeln sind im Zusammenhang mit Wohlfahrtsorganisationen oder privaten Vereinen organisiert. Eine staatliche Unterstützung bekommen sie bisher nicht, sondern sind von Spenden abhängig.

Rund 265.000 Tonnen Lebensmittel retten die Tafeln jedes Jahr und verteilen sie an Bedürftige. Hätten die Tafeln mehr Transport- und Lagerkapazitäten, könnten sie noch ein Vielfaches mehr an Lebensmitteln vor der Vernichtung bewahren. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund 18 Millionen Tonnen weggeworfen, weltweit werden bis zu einem Drittel aller produzierten Lebensmittel vernichtet.